Nachhaltigkeitsrat fordert Investitionsoffensive und stärkere Verzahnung von Klima, Sicherheit und Wirtschaft
Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) mahnt die Bundesregierung zu einem deutlich strategischeren und investiveren Umgang mit den Nachhaltigkeitszielen. In einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme verlangt das Gremium generationengerechte Finanzen, schnellere Reformen und einen engeren Schulterschluss von Klima-, Sicherheits- und Wirtschaftspolitik.
Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat die Bundesregierung zu einem grundlegenden Kurswechsel in der Nachhaltigkeitspolitik aufgefordert. Öffentliche Mittel müssten künftig „langfristig, investiv und generationengerecht“ eingesetzt werden, um Wettbewerbsfähigkeit, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Sicherheit gleichermaßen zu stärken, heißt es in der neuen Stellungnahme „Nachhaltigkeit weiterdenken – Zukunft gestalten“ .
Der RNE warnt vor wachsenden Risiken durch Klimawandel, Biodiversitätsverlust, geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Stagnation. Resiliente Lieferketten, eine stärkere europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie verlässliche internationale Partnerschaften seien deshalb ebenso Teil moderner Nachhaltigkeit wie Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit.
Zugleich fordert der Rat eine Neujustierung der Finanz- und Investitionspolitik. Subventionen für überholte Geschäftsmodelle müssten überprüft werden, während zukunftsfähige Ausgaben – etwa für Energie-, Netz- und Speicherinfrastruktur, Wasserstoff, Kreislaufwirtschaft und Biodiversität – Vorrang haben sollten. Öffentliche Gelder sollen stärker privates Kapital hebeln, um die nötigen Investitionen in großem Umfang zu mobilisieren.
Ein zentrales Ziel bleibt die Klimaneutralität bis 2045. Dazu fordert der RNE den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien, den Bau wasserstofffähiger Gaskraftwerke sowie verlässliche Rahmenbedingungen für Kommunen und Energieversorger bei der Wärmewende. Gleichzeitig müsse Deutschland stärker in Klimaanpassung investieren, da Extremwetterereignisse bereits heute Wirtschaftsstandorte und kritische Infrastruktur bedrohten.
Auch gesellschaftliche Spannungen nimmt der Rat in den Blick. Bildungsinvestitionen, der Kampf gegen Desinformation sowie eine faire Verteilung der finanziellen Lasten seien entscheidend für die Akzeptanz der Transformation. „Starke Schultern“ müssten mehr tragen als schwache, um den sozialen Zusammenhalt zu sichern, heißt es in dem Papier.
Auf europäischer und internationaler Ebene ruft der RNE zu mehr Geschlossenheit und Verlässlichkeit auf. Deutschland solle sein Gewicht in der EU stärker einbringen, neue Handels- und Partnerschaftsabkommen vorantreiben und seine Rolle als größter internationaler Geber nutzen, um die Agenda 2030 und stabile multilaterale Institutionen zu unterstützen.
Der Rat für Nachhaltige Entwicklung ist ein unabhängiges Beratungsgremium der Bundesregierung mit 15 Mitgliedern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik. Er startet 2026 in eine neue Amtsperiode und begeht zugleich sein 25-jähriges Bestehen. (DFPA/abg)
Die vollständige Stellungnahme finden Sie hier.
Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) berät die Bundesregierung zur Nachhaltigkeitspolitik. Er ist in seiner Tätigkeit unabhängig und wird seit 2001 alle drei Jahre von der Bundesregierung berufen. Ihm gehören 15 Personen des öffentlichen Lebens aus der Zivilgesellschaft, der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Politik an. Der Rat führt auch eigene Projekte durch, mit denen die Nachhaltigkeit praktisch vorangebracht wird. Zudem setzt er Impulse für den politischen und gesellschaftlichen Dialog.