Powell versus Trump
Mit Spannung beobachten die Finanzmärkte, ob die US-Notenbank Federal Reserve mit ihrem Chef Jerome Powell die Leitzinsen am heutigen Mittwoch – wie von US-Präsident Donald Trump seit langem gefordert – senken wird oder nicht.
“Da alles dafür spricht, dass die Fed auf ihrer Sitzung die Leitzinsen nicht senken wird, sollte diese ziemlich geräuschlos vorübergehen – eigentlich. Es wird aber wahrscheinlich ganz anders kommen”, sagt Erik Weisman, Chefvolkswirt und Portfoliomanager bei MFS Investment Management.
Denn Fed-Chef Jerome Powell wird auf der Pressekonferenz bestimmt zu seiner Amtszeit sowie zum allgegenwärtigen Druck und der Kritik, die aus dem Weißen Haus kommt, befragt werden, meint Weismann. Wahrscheinlich wird er sich auch Fragen zur Unabhängigkeit der Fed und zu seiner Aufgabe, diese zu bewahren, stellen müssen. Wird Powell daran festhalten, bis zum Ende seiner Amtszeit Vorsitzender zu bleiben? Könnte er sogar erwägen, bis 2028 im Vorstand zu bleiben, auch wenn seine Amtszeit als Vorsitzender beendet ist? Oder wird er doch einen Rücktritt in Betracht ziehen, um den Druck von der Fed zu nehmen?
„Wir gehen davon aus, dass sich die FED dem zunehmenden Druck von Donald Trump vorerst widersetzen und die Leitzinsen zwischen 4,25 Prozent bis 4,5 Prozent belassen wird“, meint Klaus Niedermeier, Leiter Investment Strategie der apoBank. „Für diese ‚Wait-and-See‘-Strategie gibt es handfeste makroökonomische Gründe: Die zuletzt auf 2,7 Prozent gesunkene Inflationsrate liegt immer noch über dem Zwei-Prozent-Inflationsziel der US-Notenbank. Stand jetzt glauben wir, dass die US-Inflation dieses Ziel erst 2027 erreichen wird. Außerdem ist weiter unklar, ob und wie kräftig das US-Preisniveau durch die zahlreichen Strafzölle auf Importe steigen wird.
Niedermeier weiter: „Bis Ostern 2026 gehen wir davon aus, dass die Fed den Zinskorridor in fünf Schritten auf 3,0 bis 3,25 Prozent senken wird. Zum einen gibt es innerhalb des Fed-Gremiums mittlerweile erste Stimmen, die sich den Trump-Forderungen nach Zinssenkungen anschließen – vielleicht mit Ziel, um sich als Nachfolger des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell in Position zu bringen, dessen Amtszeit im Mai des kommenden Jahres ausläuft. Zum anderen sprechen die konjunkturelle Abschwächung und das Ausbleiben eines Inflationsschocks in den USA für eine Ende der restriktiven Zinspolitik der Fed.“ (DFPA/ljh)
MFS Investment Management (MFS) ist ein US-amerikanischer Finanzdienstleister mit Sitz in Boston, Vereinigte Staaten. Das Unternehmen war früher als Massachusetts Financial Services bekannt. Es bietet Investmentfonds an und ist in der Vermögensverwaltung tätig. Es ist eine Tochtergesellschaft des kanadischen Finanzunternehmens Sun Life Financial.
Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG (Apobank) ist eine Genossenschaftsbank mit Sitz in Düsseldorf. Tätigkeitsschwerpunkt des 1902 gegründeten Unternehmens ist die wirtschaftliche Förderung und Betreuung der Angehörigen der akademischen Heilberufe sowie ihrer Standesorganisationen und Berufsverbände.