Europas Fußball bleibt ein Milliardenmarkt für Private-Equity- und Kreditinvestoren. Laut einer neuen Analyse von PitchBook sind mittlerweile 36,5 Prozent der Vereine in den „Big Five“-Ligen durch Private Equity, Venture Capital oder Private Debt finanziert – mit steigender Tendenz.
Demnach haben seit 2023 insgesamt 19 Clubs in den großen fünf europäischen Ligen den Besitzer gewechselt, in 13 Fällen waren Private-Equity- oder Venture-Capital-Fonds beteiligt. Diese Engagements stehen dabei wachsenden Risiken wie strengeren UEFA-Finanzregeln und wegbrechenden TV-Erlösen gegenüber. Für Investoren ergibt sich ein differenziertes Bild aus Chancen mit stabilen Cashflows und neuen Strategien, aber auch regulatorischen Stolpersteinen.
Rekordbewertung von Manchester United
Besonders gefragt sind Minderheitsbeteiligungen an Spitzenclubs und kreditbasierte Finanzierungen. So erzielte Manchester United 2024 mit einer Minderheitsbeteiligung von 5,8 Milliarden Euro die bislang höchste Bewertung eines Fußballvereins. Parallel nutzen Investoren zunehmend private Kreditstrukturen: Häuser wie Oaktree, Carlyle, Apollo oder Ares vergeben mit Stadien und Medienrechten besicherte Darlehen an Vereine wie Inter Mailand, Chelsea oder Nottingham Forest – mit hohen Renditen bei begrenztem Risiko.
Gut ein Drittel der „Big Five“-Ligen verfügt über US-Kapital
Der Anteil von US-Investoren wächst: Aktuell verfügen 38,5 Prozent der Clubs der „Big Five“-Ligen über Kapital aus den USA, meist in Verbindung mit Private-Equity-Strukturen. Zudem ist das Modell des Multi-Club-Ownerships (MCO) weiter auf dem Vormarsch: Knapp die Hälfte der Vereine gehört inzwischen zu solchen Netzwerken.
Deutsche Bundesliga bleibt resistent
In der deutschen Bundesliga dagegen bleibt privates Kapital weitgehend außen vor. Grund ist die strikte „50+1-Regel“, die Investoren Mehrheitsbeteiligungen faktisch verwehrt und breite Unterstützung in Vereinen und Fans genießt. Laut PitchBook haben die Clubs in den vergangenen Jahren mehrfach gegen den Einstieg von Private-Equity-Gesellschaften bei den Medienrechten gestimmt – trotz Angeboten über bis zu eine Milliarde Euro. Zwar gibt es Ausnahmen wie die Beteiligung von Finanzinvestoren an Hertha BSC, doch im europäischen Vergleich zeigt sich die Bundesliga bislang als einer der resistentesten Märkte gegenüber PE- und VC-Investitionen.
UEFA erzwingt schärfere Finanzdisziplin
Gleichzeitig steigt der Druck. Die Insolvenz des US-Investors 777 Partners hat sieben Vereine in die finanzielle Unsicherheit gestürzt und die Risiken intransparenter Finanzierungen offengelegt. Zudem zwingt die UEFA ab der Saison 2025/26 die Clubs zu schärferer Finanzdisziplin. Mit einem Rekordbußgeld von 31,1 Millionen Euro gegen den FC Chelsea wurden die Regeln bereits durchgesetzt. Besonders prekär ist die Lage in Frankreich, wo die Ligue 1 nach geplatzten TV-Verträgen ihre Medienerlöse mehr als halbiert sieht.
PitchBook kommt zu dem Schluss: Fußball bleibt ein attraktives, wenngleich komplexer werdendes Investitionsfeld. Wer Renditechancen nutzen will, muss regulatorische Entwicklungen und Einnahmerisiken genau im Blick behalten. (DFPA/abg)
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