Der wirtschaftliche Aufschwung im US-amerikanischen Frauenfußball zieht vermehrt das Interesse von Private-Equity-Investoren auf sich. Angesichts rasant steigender Zuschauerzahlen, wachsender medialer Präsenz und neuer Franchise-Gründungen in der National Women’s Soccer League (NWSL) setzen immer mehr Kapitalgeber auf den Markt der Frauenligen – in der Hoffnung auf langfristige Renditen.
So sicherte sich das US-Investmenthaus Cordillera Investment Partners kürzlich Anteile an der neuen NWSL-Franchise in Denver, die 2026 als 16. Team in die Liga aufgenommen wird. Die Expansionsgebühr belief sich auf 110 Millionen US-Dollar – mehr als doppelt so viel wie noch vor zwei Jahren für ein Team in San Francisco gezahlt wurde.
„Frauenfußball ist ein Wachstumsmarkt mit enormem Potenzial“, sagt Cordillera-Mitgründerin Ashley Marks zu dem Deal. „Wir suchen gezielt Investments außerhalb klassischer Anlageklassen – und Frauen- sowie Nischensportarten bieten hier viele Chancen.“ Cordillera verwaltet derzeit rund 1,8 Milliarden Dollar und hält auch Beteiligungen im Bereich Triathlon sowie Sportrecht.
Auch andere namhafte Private-Equity-Firmen steigen ein: Sixth Street Partners beteiligte sich 2024 mit 125 Millionen Dollar an Bay FC, die Carlyle Group übernahm gemeinsam mit dem Männerclub Seattle Sounders das Team Seattle Reign FC für 58 Millionen Dollar – ein Vielfaches des Preises von vor fünf Jahren.
Ein Grund für den Aufschwung: Die NWSL durchbrach 2023 mit über zwei Millionen Zuschauern einen neuen Besucherrekord und schloss einen nationalen TV-Deal über vier Jahre im Umfang von 240 Millionen Dollar ab. Die durchschnittliche Teambewertung liegt laut des US-amerikanischen Finanzdatenunternehmens PitchBook inzwischen bei rund 104 Millionen Dollar – 2019 lagen diese noch bei etwa 2 Millionen.
Trotz des Optimismus mahnen einige Marktbeobachter zur Vorsicht. Bobby Sharma, Gründer von Bluestone Equity Partners, betont: „Begeisterung allein ist kein Geschäftsmodell. Die Bewertungen spiegeln derzeit eher Hoffnungen als belastbare Geschäftskennzahlen wider.“
Gleichzeitig verweist Sharma auf das langfristige Potenzial: Der Markt sei „asymmetrisch“ – mit hohen Chancen, aber ebenso Risiken in Bezug auf Skalierbarkeit, Infrastruktur und Monetarisierung der Fans. „Wir sind Fans des Frauenfußballs. Doch Investoren müssen realistische Erwartungen an Wachstum, Steuerung und Exits haben.“ (DFPA/abg)
PitchBook ist ein US-amerikanisches Finanzdatenunternehmen, das auf Informationen und Analysen zu Private Equity, Venture Capital und M[&]A spezialisiert ist. Es wurde 2007 gegründet und gehört seit 2016 zum Finanzdienstleister Morningstar Inc. PitchBook liefert Marktteilnehmern fundierte Daten und Berichte über private Kapitalmärkte und gilt als führende Informationsquelle in diesem Bereich.