Gold und Bitcoin haben nach Einschätzung von Stefan May, Leiter Anlagestrategie und Produktentwicklung bei der Quirin Privatbank, ihren Ruf als verlässliche Krisenabsicherung zuletzt nicht bestätigt. Beide Anlageformen seien stark von Marktstimmung und Zinsentwicklung abhängig und hätten nach kräftigen Kursanstiegen deutliche Korrekturen verzeichnet. Für eine wissenschaftlich ausgerichtete langfristige Anlagestrategie seien Gold und Bitcoin daher nur eingeschränkt geeignet.
Der Goldpreis war nach Angaben Mays seit seinem Rekordhoch von knapp 5.600 US-Dollar je Unze Ende Januar 2026 zeitweise um fast 30 Prozent gefallen und lag zuletzt rund 20 Prozent unter diesem Niveau. Als einen Grund nennt der Experte die zuvor starke Preissteigerung. Zudem belasteten höhere Anleiherenditen das Edelmetall, da Gold weder Zinsen noch Dividenden abwirft und damit gegenüber verzinslichen Anlagen an Attraktivität verliert.
Auch Bitcoin geriet nach dem starken Anstieg der vergangenen Jahre deutlich unter Druck. Neben den Auswirkungen des Iran-Kriegs und gestiegenen Inflationserwartungen sieht May weitere Belastungsfaktoren. Dazu zählen Umschichtungen von Kryptowährungen in Technologie- und KI-Unternehmen, mögliche Risiken durch Fortschritte bei künstlicher Intelligenz und Quantencomputern sowie die bislang begrenzte Bedeutung von Bitcoin als internationales Zahlungsmittel.
Die Preisbildung bei Kryptowährungen werde zudem stark von Stimmungen, Herdenverhalten und öffentlicher Aufmerksamkeit beeinflusst, argumentiert May unter Verweis auf verschiedene Untersuchungen. Dadurch könnten spekulative Blasen und starke Kursschwankungen begünstigt werden. Bitcoin sei deshalb aus seiner Sicht vor allem für Anleger geeignet, die hohe Verluste verkraften könnten.
Gold und Bitcoin hätten gemeinsam, dass es im Gegensatz zu Aktien keine wissenschaftlich nachgewiesene systematische Risikoprämie gebe, so May. Bei breit gestreuten Aktienanlagen partizipierten Anleger dagegen an den langfristig steigenden Unternehmensgewinnen und der wirtschaftlichen Entwicklung.
Gold könne dennoch als kleiner Bestandteil eines Portfolios sinnvoll sein, wenn Anleger es als psychologische Absicherung schätzten. Eine strategische Notwendigkeit sieht May dagegen weder bei Gold noch bei Bitcoin; Kryptowährungen sollten insbesondere hartgesottenen Spekulanten vorbehalten bleiben. (DFPA/abg)
Die Quirin Privatbank AG betreibt Bank- und Finanzgeschäfte in zwei Geschäftsfeldern: Anlagegeschäft für Privatkunden (Honorarberatung) sowie Beratung bei Finanzierungsmaßnahmen auf Eigen- und Fremdkapitalbasis für mittelständische Unternehmen. Das Finanzinstitut wurde 1998 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Berlin.