Der Ausbau von Rechenzentren für künstliche Intelligenz erhöht nicht nur den Energiebedarf, sondern auch den Druck auf die Wasserressourcen. Nach Einschätzung des britischen Vermögensverwalters Janus Henderson könnte sich der direkte Wasserverbrauch von Rechenzentren in den USA bis 2028 gegenüber 2023 vervielfachen.
Der Boom bei künstlicher Intelligenz macht Wasser zu einem zunehmend wichtigen Faktor für die Rechenzentrumsbranche. Server und insbesondere leistungsstarke Grafikprozessoren erzeugen große Mengen Wärme, die abgeführt werden müssen. Häufig kommt dabei Verdunstungskühlung zum Einsatz, die zwar energieeffizient sein kann, dafür aber Wasser verbraucht. Gleichzeitig treiben die Risiken neue Kühltechnologien und Lösungen für ein effizienteres Wassermanagement voran.
Nach Untersuchungen des Lawrence Berkeley National Laboratory könnte sich der direkte Wasserverbrauch von Rechenzentren in den USA bis 2028 gegenüber 2023 um das Zwei- bis Vierfache erhöhen. Neben dem Verbrauch vor Ort spielt auch der indirekte Wasserbedarf für die Stromerzeugung eine wichtige Rolle. Nach Schätzungen kann er bis zu 75 Prozent des gesamten Wasser-Fußabdrucks eines Rechenzentrums ausmachen.
Damit wird auch der Energiemix zu einem entscheidenden Faktor. Wind- und Solarenergie benötigen für die Stromerzeugung vergleichsweise wenig Wasser. Andere kohlenstoffarme Technologien wie Geothermie, Biomasse oder Anlagen zur CO2-Abscheidung können dagegen weiterhin wasserintensiv sein.
Auf nationaler Ebene ist der Wasserverbrauch von Rechenzentren zwar noch vergleichsweise gering. 2023 entfielen nach den Angaben von Janus Henderson rund 0,3 Prozent der öffentlichen Wasserversorgung in den kontinentalen USA auf Rechenzentren. Die Risiken sind jedoch regional sehr unterschiedlich. In wasserarmen Gebieten kann die Verfügbarkeit bereits die Standortwahl und den Ausbau neuer Anlagen beeinflussen.
Die Branche reagiert mit neuen Kühltechnologien. Direct-to-Chip-Flüssigkeitskühlung, bei der Kühlmittel direkt an den Prozessoren zirkuliert, kann den Wasserverbrauch deutlich reduzieren. Auch Immersionskühlung, bei der Server in eine nichtleitende Flüssigkeit getaucht werden, gewinnt an Bedeutung. Einige Betreiber setzen zudem auf geschlossene Kreisläufe und sogenannte Zero-Water-Konzepte, bei denen kein Wasser durch Verdunstung verloren geht.
Der Verzicht auf Wasser kann allerdings einen höheren Stromverbrauch zur Folge haben. Damit entsteht ein Zielkonflikt zwischen Wasser- und Energieeffizienz, der bei der Planung neuer Rechenzentren berücksichtigt werden muss.
Auch künstliche Intelligenz selbst soll helfen, Wasser effizienter zu nutzen. Zu den möglichen Anwendungen zählen die Erkennung von Leckagen, intelligente Messsysteme, präzisere Bewässerung in der Landwirtschaft und Modelle zur Steuerung der Wasserverteilung.
Für Investoren wird nach Einschätzung von Janus Henderson damit auch die Transparenz der Betreiber wichtiger. Unternehmen, die ihren Wasserverbrauch auf Standortebene offenlegen, Risiken in Regionen mit Wasserknappheit berücksichtigen und effiziente Kühlsysteme einsetzen, könnten besser auf steigende regulatorische und gesellschaftliche Anforderungen vorbereitet sein. (DFPA/abg)
Die Janus Henderson Group ist ein Vermögensverwalter mit Sitz in London. Das Unternehmen verwaltet ein Anlagevermögen von etwa 419 Milliarden US-Dollar und hat über 2.000 Mitarbeiter sowie Büros in 25 Städten weltweit (Stand: 31. Dezember 2025).