Die Atomenergie erlebt ein weltweites Comeback. In den USA und mehreren europäischen Ländern rücken Regierungen die Kernkraft wieder in den Mittelpunkt ihrer Energiepolitik. Der Kurswechsel soll zugleich die Energiesicherheit stärken, die Stromerzeugung dekarbonisieren und die steigende Nachfrage durch Künstliche Intelligenz absichern, meint Martijn Rozemuller, CEO Europa beim amerikanischen Asset Manager vanEck.
In den USA hat Ex-Präsident Donald Trump im Mai per Dekret unter anderem den Bau von zehn neuen Atomreaktoren bis 2030 angeordnet. Auch die Förderung von Uranbergbau und Kernbrennstoffen wurde auf den Weg gebracht. Ziel ist eine Vervierfachung der Atomstromproduktion bis 2050.
Auch Europa zeigt deutliche Signale: Deutschland hat im Mai seinen Widerstand gegen die Einstufung von Atomkraft als nachhaltige Energie im EU-Recht aufgegeben. Frankreich dringt seit Langem auf eine solche Anerkennung. Weitere Länder wie die Niederlande, Belgien und Dänemark – letzteres bislang mit einem 40-jährigen Atomverbot – prüfen den Ausbau oder Wiedereinstieg in die Kernenergie.
In Großbritannien hat die Regierung angekündigt, das stockende Projekt des Reaktors Sizewell C mit zusätzlichen 11,5 Milliarden Pfund zu unterstützen. Parallel setzt London wie andere Länder auf kleine modulare Reaktoren (SMR), die kostengünstiger und schneller realisierbar sein sollen.
Die neue Atom-Euphorie zeigt auch Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Aktien von Reaktorherstellern und Uranunternehmen legten teils zweistellig zu. So stiegen etwa die Anteile des SMR-Entwicklers Oklo nach der US-Ankündigung um fast 24 Prozent, Centrus Energy legte über 21 Prozent zu, und auch Cameco, eines der größten Uranunternehmen weltweit, verzeichnete ein Plus von mehr als 11 Prozent.
Anleger sollten jedoch die mit Uran- und Atomfonds verbundenen Risiken im Blick behalten, mahnt Martijn Rozemuller, Europa-Chef des Vermögensverwalters VanEck, dessen Atomkraft-ETF in diesem Jahr bislang über 42 Prozent Rendite erzielt hat. (DFPA/abg)
VanEck ist ein Asset Manager mit Hauptsitz in New York (USA).