Der Bundestag hat Friedrich Merz zum zehnten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt und die neue Bundesregierung kann die Arbeit aufnehmen. Deutschland war nach der Corona-Krise das Schlusslicht beim Wirtschaftswachstum in Europa. Schafft die neu gewählte Bundesregierung eine Trendwende? „Mit den beiden Investitionspaketen für Verteidigung und Infrastruktur besteht nun endlich die Chance, strukturelle Wachstumshindernisse anzugehen und das große Potenzial unserer innovativen Unternehmen freizusetzen“, schreibt Christoph Ohme, Leitender Portfoliomanager Deutsche Aktien bei dem Vermögensverwalter ODDO BHF Asset Management, in einem Marktkommentar.
Von der neuen Bundesregierung erwartet der Portfoliomanager auch Reformen in der Verwaltung und dass unnötige bürokratische Hürden abgebaut werden. „Nur so können die großen Investitionssummen auch zielgerichtet eingesetzt werden.“
Das Infrastrukturpaket übertrifft mit einem Volumen von 500 Milliarden Euro sogar den Infrastrukturfonds zur Finanzierung der Deutschen Einheit und biete Investoren die einmalige Chance, vom Neustart der deutschen Wirtschaft zu profitieren. Diese Investitionen werden sich Ohme zufolge jedoch nicht sofort auswirken, mittel- bis langfristige Prognosen gehen davon aus, dass sie das BIP-Wachstum ab 2026 je nach Umsetzung um 0,5 Prozent bis 1,4 Prozent steigern können. „Auch die Unternehmensgewinne können dann wachsen“, so Ohme. Für diese prognostizieren Analysten zweistellige Zuwächse für den DAX (plus zehn Prozent), den MDAX (plus 35,3 Prozent) und den SDAX (plus 49,5 Prozent).
Bewertungen nach wie vor günstiger als US-Aktien
Die von US-Präsident Trump angedrohten Strafzölle führten weltweit zu einem starken Abverkauf an allen wichtigen Aktienmärkten. Auch der deutsche Aktienmarkt war davon betroffen. „Aufgrund der wechselhaften Nachrichtenlage rechnen wir in den nächsten Tagen und Wochen mit einer erhöhten Volatilität“, betont Ohme. „Allerdings ist der deutsche Aktienmarkt auch nach dem weltweiten Ausverkauf günstiger bewertet als der US-Markt.“ Allerdings werde sich Deutschland als stark exportorientierte Volkswirtschaft den negativen Auswirkungen der US-Zollpolitik auf den Welthandel nicht entziehen können. Besonders die exportstarken Unternehmen zum Beispiel der Automobilbranche werden durch die Zollerhöhungen herausgefordert.
Rüstungsaktien profitierten in besonderem Maßen von steigenden Verteidigungsausgaben, so weise der Sektor eine deutliche Prämie zum Gesamtmarkt auf. Dank des 500-Milliarden-Infrastrukturpakets könnte es auch in der Bauwirtschaft in den nächsten Jahren starke Wachstumsimpulse geben. Dazu gehören neben Baukonzernen, insbesondere den im Tiefbau tätigen, auch die Hersteller von Baustoffen und bauchemischen Produkten. Auch Industriekonzerne, die zum Beispiel für den Stromnetzausbau notwendige Anlagen wie Transformatoren oder IT für die Infrastruktur herstellen, gehören laut Ohme zu den Profiteuren. (DFPA/mb)
Oddo BHF Asset Management ist Teil der im Jahr 1849 gegründeten Oddo BHF, einer deutsch-französischen Finanzgruppe. Die Gruppe ist aus einer französischen familiengeführten Bank und einer auf den Mittelstand ausgerichteten deutschen Privatbank entstanden.