Die Zinsen japanischer Staatsanleihen sind in den vergangenen Monaten stark gestiegen – und könnten nach Einschätzung von Daniel Siluk, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Janus Henderson Investors, ein Vorbote für globale Finanzmarktverwerfungen sein.
Die Rendite 10-jähriger Anleihen hat sich seit September 2024 verdoppelt und erreichte im Juli mit rund 1,6 Prozent den höchsten Stand seit 2008. Auch bei Anleihen mit längerer Laufzeit, etwa bei 30-jährigen Titeln, kletterten die Renditen zuletzt auf über drei Prozent.
Für Siluk spiegelt dieser Anstieg das Ende einer Ära wider: „Nach Jahren ultralockerer Geldpolitik läutet die Bank of Japan eine Rückkehr zur Normalität ein“. Die japanische Zentralbank hatte im März 2024 erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt ihren Leitzins angehoben und ihre Anleihekäufe im Juni weiter zurückgefahren.
Beobachter sehen die Entwicklung auch vor dem Hintergrund innenpolitischer Unsicherheiten. Nach den Oberhauswahlen in Japan wächst laut Siluk der politische Druck auf die Notenbank, ihren Straffungskurs zu verlangsamen – etwa durch Forderungen nach einer Senkung der Verbrauchssteuer oder zusätzlichen Staatsausgaben. Dies könnte die Emission neuer Staatsanleihen nach sich ziehen und den Renditeanstieg weiter anheizen.
Die Folgen könnten über Japan hinausreichen: Als einer der größten Kapitalexporteure der Welt könnten steigende Inlandszinsen die Nachfrage japanischer Investoren nach US-Staatsanleihen und europäischen Bonds dämpfen – mit potenziellen Auswirkungen auf das globale Zinsniveau. Siluk warnt: „Die steigenden japanischen Renditen sind wie ein Kanarienvogel in der Kohlengrube – ein frühes Warnsignal für die Rückkehr der Volatilität an den internationalen Anleihemärkten.“ (DFPA/abg)
Die Janus Henderson Group ist ein Vermögensverwalter mit Sitz in London. Das Unternehmen verwaltet ein Anlagevermögen von etwa 345 Milliarden US-Dollar und hat über 2.000 Mitarbeiter sowie Büros in 25 Städten weltweit (Stand: 31. März 2025).