Der Schutz der biologischen Vielfalt gewinnt im Agrarfinanzsektor an Bedeutung, wird von Banken bislang aber nur unzureichend berücksichtigt. Das zeigt eine Marktstudie der Landwirtschaftlichen Rentenbank und Capgemini Invent.
Demnach verfügen lediglich rund neun Prozent der befragten Institute über eine Strategie, um naturbezogene Risiken wie Bodendegradierung, Wasserknappheit oder den Rückgang von Bestäubern systematisch in ihre Kreditvergabe einzubeziehen. Dabei gelten solche Entwicklungen zunehmend als finanzielle Risikofaktoren, weil sie die Ertragslage landwirtschaftlicher Betriebe direkt beeinträchtigen können, stellen die Autoren des Berichts mit dem Titel „Zwischen Risiko und Verantwortung“ fest.
Laut Studie sehen 96 Prozent der Banken Bodendegradierung und Erosion als besonders relevante Risiken an, 83 Prozent nennen Wasserknappheit. Dennoch spielen Biodiversitätsaspekte in Kreditvergabe, Portfoliosteuerung und Produktentwicklung bislang kaum eine Rolle.
Ein zentrales Hindernis sei der Mangel an standardisierten Daten und Bewertungsmethoden. Bestehende Tools wie ENCORE oder IBAT böten zwar erste Ansätze, könnten aber die standortspezifischen Bedingungen der deutschen Landwirtschaft nicht adäquat abbilden. Auch regulatorische Anforderungen – etwa die neuen EBA-Leitlinien zu ESG-Risiken – erhöhen laut Rentenbank den Handlungsdruck.
„Biodiversität ist für die Landwirtschaft keine abstrakte Umweltfrage, sondern eine ökonomische Notwendigkeit“, sagte Rentenbank-Vorstandssprecherin Nikola Steinbock. Die Studie verstehe sich als Einladung zum Dialog zwischen Finanz- und Realwirtschaft, um praktikable Messinstrumente und Strategien zu entwickeln.
Empfohlen werden Investitionen in biodiversitätsfördernde Maßnahmen – etwa humusaufbauende Bewirtschaftung oder Blühstreifen – sowie die Entwicklung von Indikatoren, die sich in Risikomodelle integrieren lassen. Nur so könnten Banken künftige Ausfallrisiken realistisch bewerten und nachhaltige Geschäftsmodelle fördern.
Den vollständigen Bericht als PDF finden Sie hier.
Die Capgemini-Group ist ein weltweit aktiver Unternehmensberater, der mehr als 350.000 Mitarbeiter in über 50 Ländern beschäftigt. In Deutschland firmiert Capgemini unter Capgemini Deutschland Holding GmbH mit Sitz in Berlin.