Die starke Gewichtung vieler Portfolios in US-Aktien wird zunehmend hinterfragt. Immer mehr Anleger suchen nach Möglichkeiten, ihr Kapital breiter und internationaler zu streuen. Schwellenländer in Asien und Lateinamerika könnten dabei wieder eine wichtigere Rolle spielen.
Geopolitische Spannungen, ein schwächerer Dollar und die Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung in den USA verstärken den Trend zur internationalen Streuung. „Die Reallokation von Kapital in Richtung ‚Rest der Welt‘ hat gerade erst begonnen“, sagt Sebastian Kahlfeld, Fondsmanager für asiatische Aktien bei der DWS. Zunächst dürften davon vor allem entwickelte Märkte profitieren. Doch mittelfristig könnten auch aufstrebende Volkswirtschaften wieder stärker ins Blickfeld rücken.
China: Potenzial, aber nicht ohne Risiko
Ein zentrales Beispiel ist China. „Wir sehen Potenzial, dass sich der chinesische Markt künftig besser entwickeln könnte als globale Indizes“, sagt Kahlfeld. Ausgerechnet das Land, das seit 2021 als Belastung für die gesamte Region galt, könnte nun für neuen Schwung sorgen.
Was ihn optimistisch stimmt: Viele chinesische Unternehmen sind attraktiv bewertet, teils gestützt durch solide Dividenden. Das regulatorische Umfeld hat sich für den Privatsektor spürbar aufgehellt. Chinesische Unternehmen zeigen weltweit beeindruckende Erfolge – sei es in der Automobilbranche, bei Batterietechnologien oder im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Wenn die Regierung diesen Kurs unterstützt, könnte das helfen, den Bewertungsabschlag chinesischer Aktien zu verringern. Risiken bleiben dennoch – insbesondere mit Blick auf geopolitische Spannungen – doch viele davon seien wohl bereits in den Kursen berücksichtigt.
Asien: Günstig bewertet, aber differenziert zu betrachten
Insgesamt sind Aktien aus Asien – ohne Japan – derzeit historisch günstig bewertet. „Auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses des MSCI AC Asien ex Japan lag der Abschlag gegenüber dem MSCI World in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt bei 23 Prozent – derzeit beträgt er mehr als 30 Prozent“, erklärt Sebastian Kahlfeld. Hauptgrund ist die schwache Entwicklung chinesischer Titel, die zugleich aber auch ein Hebel für mögliche Aufholpotenziale ist.
Neben China sieht Kahlfeld auch Potenzial für den Aktienmarkt Südkoreas. Indien hingegen sei derzeit hoch bewertet. Zwar wächst dort die Mittelschicht rasant – von 120 Millionen Menschen mit einem Jahreseinkommen über 5000 US-Dollar im Jahr 2023 auf voraussichtlich 290 Millionen bis 2030 – und mit dem Wohlstand auch die Ansprüche auf bessere Infrastruktur, hochwertigere Konsumgüter und moderne Wohnformen. Doch viele dieser Erwartungen seien bereits in den Kursen enthalten: „Schon eine leichte Verlangsamung dieses Trends könnte sich negativ auswirken“, so Kahlfeld.
Lateinamerika: Rohstoffe, Reformen, neue Chancen
Auch in Lateinamerika zeichnet sich ein positiver Wandel ab. Nach Jahren politischer Unsicherheit und Kapitalabflüssen wirken viele Märkte heute robuster. Die Region profitiert von ihrer Rohstoffvielfalt – ein klarer Vorteil in Zeiten globaler Ressourcenknappheit. Hinzu kommen strukturelle Trends wie Digitalisierung, Infrastrukturinvestitionen und Nearshoring. Besonders Mexiko kann durch die Verlagerung von Produktionsketten in die Nähe der USA profitieren. Auch Brasilien macht Fortschritte bei wirtschaftlicher Stabilisierung und Reformen. (DFPA/ljh)
Die zur Deutschen Bank gehörende DWS-Group ist mit einem gesamten verwalteten Vermögen von 1.010 Milliarden Euro (Stand: 31.03.2025) ein führender Vermögensverwalter in Europa mit globaler Reichweite.
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