Der demografische Wandel verändert die Anforderungen an den deutschen Wohnungsmarkt grundlegend. Doch Wohnen im Alter ist kein einheitlicher Markt. In einem Kingstone-Webinar wurde die Frage diskutiert, wie sich Bedarf, Angebot und Investierbarkeit im Segment Wohnen im Alter entwickeln.
Der Markt für Seniorenwohnen werde häufig über Sonderwohnformen diskutiert – etwa Servicewohnen, betreutes Wohnen, Seniorenresidenzen, Mehrgenerationenkonzepte oder Pflegeheime. Tatsächlich lebe die weit überwiegende Mehrheit älterer Menschen weiterhin in der bisherigen Wohnung. „Ich hätte nicht gedacht, dass 95 Prozent der Menschen weiterhin in ihren normalen Wohnungen sind und dass diese Sonderformen nur einen kleinen Teil ausmachen“, sagte Professor Dr. Günter Vornholz, Gründer von ImmobilienResearch.
Dieser sogenannte Remanenz-Effekt präge den deutschen und niederländischen Markt: Ältere Menschen möchten ihr vertrautes Wohnumfeld, Nachbarschaften und Routinen möglichst lange beibehalten. Da der Neubau im Verhältnis zum gesamten Wohnungsbestand nur einen kleinen Teil ausmache, werde der altersgerechte Umbau bestehender Wohnungen und Gebäude zunehmend wichtiger. Barriere-Reduktion könne dazu beitragen, dass ältere Menschen länger in ihrer Wohnung bleiben und Pflegebedarfe besser organisiert werden können.
Für Investoren und Bestandshalter ergebe sich daraus eine doppelte Aufgabe: Zum einen müssen Neubauprodukte für unterschiedliche Alters- und Einkommensgruppen entstehen. Zum anderen brauche es pragmatische Konzepte für den Bestand – von barrierearmen Zugängen über angepasste Grundrisse bis hin zu Dienstleistungen, die Versorgungssicherheit bieten, ohne ältere Haushalte finanziell zu überfordern.
Aus Investorensicht bleibe Wohnen im Alter eine relevante Zukunftsaufgabe. Die strukturelle Nachfrage wachse, gleichzeitig sei der Markt kleinteilig, stark reguliert und abhängig von regionalen Kaufkraft-, Pflege- und Versorgungsstrukturen. Ein Wachstumsmarkt müsse daher nicht automatisch ein Massenmarkt sein, betonte Maximilian Radert, Head of Product Development [&] Research bei Kingstone Real Estate. Wohnen im Alter sei ein strukturell wachsendes, aber differenziertes Marktsegment. Die Nachfrage entsteht durch sehr unterschiedliche Lebenslagen, Vermögenssituationen, Pflegebedarfe und regionale Entwicklungen. Die Mehrheit der Seniorinnen und Senioren werde auch künftig in normalen Wohnungen leben. Gleichzeitig wachse der Bedarf an barrierearmen, serviceorientierten und pflegenahen Angeboten – insbesondere für alte Senioren. (DFPA/ljh)
Kingstone Real Estate ist ein unabhängiger, familiengeführter Investment Manager mit Sitz in München und spezialisiert auf Immobilieninvestments in der DACH-Region, in Polen sowie den Benelux-Staaten und verwaltet einen Immobilienbestand in Höhe von über einer Milliarde Euro.
[nbsp]