Der 85 Milliarden Dollar schwere Börsengang von SpaceX, Elon Musks Raumfahrt-, Satelliten- und KI-Unternehmen, hat die Märkte im Juni beschäftigt. Auch für die Corporate Governance war er wichtig. Darauf weist Joseph V. Amato, President und Chief Investment Officer – Equities, bei dem Vermögensverwalter Neuberger Berman hin.
SpaceX hat Aktien mit Mehrfachstimmrecht, was dem Gründer überdurchschnittlich viel Macht gibt. Ist das ein Vorbild für die Börsengänge, etwa von OpenAI und Anthropic, mit denen in den nächsten Quartalen gerechnet wird? Das Argument sei bekannt: Wenn die Gründer die Macht behalten, können sie dem Terror der Quartalsberichte entgehen und langfristig in Forschung, neue Produkte und Wachstum investieren.
Man müsse diesen Einwand ernst nehmen. Innovation brauche Zeit, aber die Börsen belohnten kurzfristige Erfolge oft mehr als langfristige Wertschöpfung. Aber ein System mit unterschiedlichen Stimmrechten könne leicht eine Machtkonstellation zementieren.
Studien zeigten, dass ein Bewertungsaufschlag bei zwei Aktienklassen auf Dauer meist schwinde. Sie zeigten aber auch, dass Manager bei zu einflusslosen Aktionären ihre eigenen Interessen über die der Kapitaleigner stellen, etwa durch zu teure Übernahmen, Vergütungsmodelle mit Fehlanreizen oder den Bau von Imperien. Aktionäre könnten das kaum verhindern, und wenn, dann nur zu hohen Kosten. Die Governance eines Unternehmens sollte daher zu einer Vielzahl möglicher Entwicklungen passen und nicht nur zum Basisszenario.
Die Governancewende komme zu einem unglücklichen Zeitpunkt. Vor der Hauptversammlungssaison hat die US-Bundesregierung einige Regeln geändert, und die Bundesstaaten konkurrieren immer mehr um Unternehmensansiedlungen. Das habe die Machtbalance verschoben, weg von aktiven Eigentümern und hin zu Managern und Boards. Zugleich nehmen große passive Investoren weniger Einfluss. Sie verzichten damit auf eines der wichtigsten Instrumente zum Schutz der langfristigen Anlegerinteressen.
Amato glaubt, dass Anleger ihre Eigentümerverantwortung gerade jetzt ernst nehmen sollten. Bei großen technologischen und politischen Veränderungen und einer hohen Marktkonzentration werde sie umso wichtiger. Denn durch passive Strategien nehme die Marktkonzentration noch weiter zu, und bei Stimmungswechseln machten sie starke Kurseinbrüche noch wahrscheinlicher. (DFPA/mb)
Neuberger Berman wurde 1939 gegründet und ist ein unabhängiger Vermögensverwalter im Besitz seiner Mitarbeiter.