Vier von zehn Deutschen würden selbst zusätzliches Einkommen zunächst sparen statt ausgeben. Das zeigt eine Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) unter rund 1.800 Befragten in Deutschland. Die Zahl stehe exemplarisch für einen breiteren Trend: Verbraucher priorisieren ihre Ausgaben neu, achten stärker auf Preise und hinterfragen Konsumentscheidungen kritischer als noch vor einem Jahr. Denn 64 Prozent der Deutschen bewerten die derzeitige wirtschaftliche Lage negativ, deutlich mehr als im europäischen Durchschnitt (56 Prozent).
Besonders belastend empfinden die hiesigen Verbraucher die hohen Energiepreise (75 Prozent) und die anhaltende Inflation (72 Prozent). Entsprechend rechnen 78 Prozent damit, dass die Preise in den nächsten sechs Monaten weiter steigen. Gleichzeitig erwartet rund jeder dritte Verbraucher, dass sein Einkommen (29 Prozent) oder seine Ersparnisse (32 Prozent) zurückgehen werden.
Diese anhaltende Unsicherheit wirke sich direkt auf den Warenkorb der Deutschen aus: In nahezu allen Produktkategorien halten sich die Befragten mit ihren Ausgaben zurück. Ausnahmen im Sparverhalten zeigen sich lediglich bei Gütern des täglichen Bedarfs wie Lebensmitteln, Tiernahrung oder Haushaltspflege. Das Wachstum in diesen Kategorien wird allerdings vor allem durch höhere Preise und nicht durch steigende Absatzmengen getrieben.
Auch dabei zeigen sich deutsche Verbraucher allerdings äußerst preissensibel: Je nach Produktkategorie werden heute bis zu 74 Prozent der Kaufentscheidungen von Rabatten beeinflusst. Angesichts des hohen Kostendrucks verliert Nachhaltigkeit als Kaufkriterium an Relevanz. Nur noch rund jeder sechste deutsche Verbraucher (17 Prozent) ist bereit, für nachhaltige Produkte einen Aufpreis zu zahlen.
Eine wichtige Ausnahme vom allgemeinen Spartrend ist die Gesundheit, wie die europaweiten Ergebnisse der Studie zeigen: Rund zwei Drittel der Befragten betrachten diese und ihr Wohlbefinden als zentralen Bestandteil ihres Lebensstils. Das zeigt sich auch im Konsumverhalten. 64 Prozent kochen lieber frisch statt Fertiggerichte zu kaufen, 48 Prozent achten auf Produkte ohne künstliche Inhaltsstoffe. Die Hälfte bevorzugt zucker- oder kalorienarme Getränke, und 46 Prozent haben ihren Alkoholkonsum reduziert oder planen dies. (DFPA/mb)
Die Boston Consulting Group ist eine weltweit tätige Unternehmens- und Strategieberatung und wurde im Jahr 1963 gegründet.