Studie: Entwicklungsbanken sollen stärkere Rolle beim Naturschutz übernehmen
Multilaterale Entwicklungsbanken müssen nach Einschätzung von Experten deutlich stärker zur Finanzierung von Natur- und Biodiversitätsschutz beitragen. Das geht aus einer Analyse des World Resources Institute (WRI) und von NatureFinance hervor.
Zwar hätten die Institute ihre Rolle beim Schutz natürlicher Ressourcen zuletzt ausgebaut, doch reiche das Engagement bislang nicht aus, um globale Ziele zu erreichen.
Hintergrund ist der wachsende Druck auf Ökosysteme weltweit. Mehr als die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung hängt laut Studie moderat oder stark von funktionierenden natürlichen Systemen ab. Gleichzeitig schreitet deren Zerstörung voran – mit ökologischen und wirtschaftlichen Folgen, etwa im Amazonasgebiet, das für Klima, Wasserhaushalt und Millionen Menschen von zentraler Bedeutung ist.
Internationale Vereinbarungen wie das 2022 beschlossene globale Biodiversitätsrahmenwerk sehen vor, jährlich rund 200 Milliarden US-Dollar für den Schutz und die Wiederherstellung von Natur zu mobilisieren. Entwicklungsbanken sollen dabei eine Schlüsselrolle spielen, etwa durch Finanzierung, Beratung und die Lenkung privater Investitionen.
Die Untersuchung analysiert neun große multilaterale Entwicklungsbanken, darunter Weltbank, Europäische Investitionsbank und Asiatische Entwicklungsbank. Ergebnis: Zwar bekennen sich alle Institute zu mehr Engagement für Natur- und Klimaschutz, doch fehlt es häufig an konkreten Zielen und einheitlichen Strategien. Nur wenige Banken hätten bislang explizite Finanzierungsziele für Naturprojekte definiert.
Auch bei Transparenz und Berichterstattung sehen die Autoren Defizite. Einheitliche Standards zur Offenlegung naturbezogener Risiken würden bislang kaum genutzt. Dabei könnten solche Instrumente helfen, Investitionen gezielter in nachhaltige Projekte zu lenken und Risiken besser zu bewerten.
Ein weiteres Hindernis ist laut Studie der Mangel an Fachpersonal. Viele Banken verfügten noch nicht über ausreichende Kapazitäten, um Naturaspekte systematisch in ihre Projekte zu integrieren. Kooperationen mit Regierungen, internationalen Organisationen und privaten Investoren könnten hier kurzfristig Abhilfe schaffen. Zudem seien viele Initiativen bislang auf einzelne Projekte begrenzt und nicht ausreichend in die Gesamtstrategie der Institute eingebettet. Für eine wirksame Transformation müssten Naturaspekte stärker in alle Geschäftsbereiche integriert werden – von Infrastrukturprojekten bis hin zu Finanzierungsentscheidungen.
Positiv hebt die Analyse hervor, dass Entwicklungsbanken zunehmend innovative Finanzierungsinstrumente einsetzen. Beispiele sind grüne Anleihen oder Mischfinanzierungen, die öffentliche und private Mittel kombinieren. Dennoch bleibt das Volumen bisher deutlich unter dem erforderlichen Niveau: 2022 entfielen rund 5,7 Milliarden Dollar auf internationale Biodiversitätsfinanzierung durch multilaterale Institute.
Langfristig könnten Entwicklungsbanken eine zentrale Rolle bei der Umgestaltung der globalen Finanzströme spielen, so die Autoren. Voraussetzung sei jedoch, dass sie klare Ziele setzen, ihre Strategien vereinheitlichen und Natur stärker als wirtschaftlichen Faktor berücksichtigen. „Ökosysteme sind keine Randthemen, sondern grundlegende Infrastruktur für nachhaltige Entwicklung“, heißt es in der Studie. Ohne eine deutliche Ausweitung der Finanzierung drohe die internationale Gemeinschaft ihre Biodiversitätsziele zu verfehlen. (DFPA/abg)
Den vollständigen Bericht finden Sie zum Download hier.
Das World Resources Institute (WRI) ist eine unabhängige Forschungsorganisation, die seit 1982 an Lösungen zur Verbesserung der Lebensbedingungen, zum Schutz der Natur und zur Stabilisierung des Klimas arbeitet. Mit mehr als 2.000 Mitarbeitenden in über einem Dutzend Schwerpunktländern und Partnerschaften in mehr als 50 Staaten verbindet WRI wissenschaftliche Daten, Expertise und globale Reichweite, um systemische Veränderungen in Bereichen wie Ernährung, Land- und Wassernutzung, Energie und Städte anzustoßen.