Klimarisiken stellen für deutsche Banken nach Einschätzung der Organisation Finanzwende Recherche bereits heute ein relevantes Konzentrationsrisiko dar. Besonders physische Risiken wie Hochwasser träfen wirtschaftlich bedeutende Regionen und könnten sich mit den Folgen der Transformation zu einer klimaneutralen Wirtschaft überlagern.
Dadurch entstünden Verwundbarkeiten in Kreditportfolios, die bislang in der Bankenaufsicht nur unzureichend berücksichtigt würden.
Zu diesem Ergebnis kommt der Report „Klimarisiken im deutschen Bankensektor“, für den regionale Klimadaten mit Unternehmensinformationen aus der ORBIS-Datenbank verknüpft wurden. Die Analyse zeigt, dass rund zwei Drittel der untersuchten wirtschaftlichen Aktivität in Regionen mit mittlerer oder hoher Flutexposition stattfindet. Besonders betroffen sei der Umsatz von Unternehmen, der deutlich stärker exponiert sei als deren Vermögenswerte. Dies spreche dafür, dass sich Klimaschäden zunächst in Produktionsausfällen, Lieferkettenstörungen oder Betriebsunterbrechungen niederschlagen.
Hinzu komme, dass CO₂-intensive Branchen zwar nur einen kleinen Teil der Unternehmen ausmachten, aber ein überproportional hohes wirtschaftliches Gewicht besäßen. Dort, wo sich physische Klimarisiken und Transformationsrisiken überschneiden, könnten sich Ausfallrisiken für Banken verstärken. Besonders regional verankerte Institute wie Sparkassen und Genossenschaftsbanken könnten aufgrund ihrer regional konzentrierten Kreditportfolios stärker betroffen sein als aggregierte Durchschnittswerte vermuten lassen.
Eine konservative Szenariorechnung kommt zu dem Ergebnis, dass bereits ein temporärer Umsatzrückgang von fünf Prozent in flutgefährdeten Regionen wirtschaftliche Auswirkungen von rund 101,6 Milliarden Euro auslösen könnte. Die Autoren empfehlen Banken und Aufsicht deshalb, physische Klimarisiken granularer zu erfassen und stärker als Konzentrationsrisiken in Stresstests und Risikomodellen zu berücksichtigen. (DFPA/abg)
Hier finden Sie den vollständigen Report.
Finanzwende Recherche ist eine gemeinnützige Rechercheorganisation mit Sitz in Berlin. Sie analysiert Strukturen und Risiken des Finanzsystems und veröffentlicht Studien zu Finanzmarkt-, Banken- und Nachhaltigkeitsthemen. Ziel ist es, politische und regulatorische Debatten mit datenbasierten Analysen zu unterstützen. Der Verein Bürgerbewegung Finanzwende e. V. engagiert sich für faire und nachhaltige Finanzmärkte, initiiert Kampagnen und ordnet aktuelle Meldungen zur Finanzwelt ein.