Studie: Privatanleger legen bei ESG mehr Wert auf Soziales als auf Klima
Private Anleger in Deutschland messen sozialen und unternehmerischen Kriterien bei nachhaltigen Geldanlagen deutlich mehr Bedeutung bei als Umweltaspekten. Das geht aus einer neuen Studie des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE hervor, die im Zuge der Reform der EU-Regeln für nachhaltige Finanzprodukte veröffentlicht wurde.
Nach den Ergebnissen einer Befragung von 1.174 Privatanlegern stehen beim sogenannten ESG-Investieren soziale Ausschlusskriterien wie Menschenrechte, Tierschutz und Korruptionsbekämpfung im Vordergrund. Umweltkriterien wie der Verzicht auf fossile Energien oder Kernkraft spielen dagegen eine geringere Rolle. Insgesamt ergibt sich eine klare Rangfolge: Soziales vor Unternehmensführung und Umwelt.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass viele Anleger ESG-Labels vor allem als moralische Orientierungshilfe nutzen. Konkrete ökologische Wirkungen oder messbare Klimabeiträge seien für die Mehrheit der Befragten zweitrangig. Nur Anleger mit stark ausgeprägten altruistischen Einstellungen änderten ihr tatsächliches Anlageverhalten, wenn sie detaillierte Informationen zu sozialen Kriterien erhielten.
Vor diesem Hintergrund sehen die Autoren Nachbesserungsbedarf bei der europäischen Regulierung. Die derzeitige Einteilung nachhaltiger Fonds im Rahmen der EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) berücksichtige die Präferenzen privater Anleger nur unzureichend. Insbesondere soziale und Governance-Aspekte seien bislang unterrepräsentiert. Statt pauschaler Nachhaltigkeitslabels empfehlen die Forscher ein stärker differenziertes und transparenteres System.
Zugleich warnt die Studie vor überzogenen Erwartungen an nachhaltige Finanzlabels. Der Beitrag solcher Kennzeichnungen zur Erreichung der Klimaziele sei begrenzt – vor allem, weil ein Großteil der Anleger sein Portfolio trotz entsprechender Informationen nicht anpasse.
Den vollständigen Report finden Sie hier.
Das Leibniz-Institut für Finanzforschung Safe (Sustainable Architecture for Finance in Europe) widmet sich der interdisziplinären Erforschung der Finanzmärkte und ihrer Akteure in Europa sowie der forschungsbasierten, unabhängigen Politikberatung. Das Institut konzentriert sich auf die Zusammenarbeit von Forschern aus den Bereichen Finanz-, Wirtschafts-, Rechts- und Politikwissenschaft.