Wie stark kann Künstliche Intelligenz (KI) unsere Finanzentscheidungen verbessern – oder uns gezielt in die falsche Richtung lenken? Diese Frage haben Forschende der Universität Bayreuth in einer Studie mit 3.700 Teilnehmern anhand fiktiver Fondssparpläne untersucht.
Unter Leitung von Prof. Dr. Fabian Herweg, Lehrstuhl für International Competition Policy der Universität Bayreuth, haben die Forschenden die Studienteilnehmenden vor eine einfache, aber realistische Entscheidung gestellt: Die Teilnehmer richteten einen Fondssparplan auf einen fiktiven Index ein und wählten anschließend zwischen zwei Anbietern. Beide Fonds bildeten exakt denselben Index ab, unterschieden sich jedoch in zwei Gebühren.
„Dadurch entstand in unserer Studie ein scheinbarer Trade-off: Jeder Anbieter ist bei je einer der beiden Gebühren günstiger“, sagt Herweg. „Welcher Anbieter insgesamt besser war, war deshalb nicht sofort ersichtlich. Tatsächlich gab es aber für jede gewählte Sparrate einen eindeutig besten, also günstigsten Anbieter.“
Die Auswahl dieses günstigsten Anbieters bewältigten die Teilnehmenden entweder allein oder mit Unterstützung einer von drei Beratungsoptionen: einem KI-Chatbot, einem Bank-KI-Chatbot oder einem menschlichen Finanzberater. Diese drei Beratungsoptionen wurden von den Forschenden so gesteuert, dass sie entweder die richtige oder eine verzerrte Empfehlung aussprachen. Die Online-Studie war vollständig inzentiviert, das heißt, die Entlohnung der Teilnehmenden fiel umso höher aus, je besser ihre Anlageentscheidungen waren.
„Im Ergebnis haben wir festgestellt, dass KI bei der Entscheidung stark unterstützen kann, aber nur, wenn sie richtig berät. Genauso kann sie Entscheidungen auch massiv in die falsche Richtung lenken, wenn die Empfehlung verzerrt ist“, sagt Joshua Greubel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für International Competition Policy der Universität Bayreuth.
Ohne Beratung wählten rund 64 Prozent der Teilnehmenden den besseren Anbieter. Empfahl ein neutral dargestellter KI-Chatbot diesen Anbieter, stieg der Anteil auf rund 87 Prozent. Wurde dieselbe KI hingegen angewiesen, den schlechteren Anbieter zu empfehlen, fiel der Anteil der richtigen Entscheidungen auf rund 34 Prozent. (DFPA/mb)
Die Universität Bayreuth ist eine 1975 gegründete, forschungsorientierte Campus-Universität mit rund 12.000 Studenten.