Die wirtschaftliche Nutzung der niedrigen Erdumlaufbahn (Low Earth Orbit, rund 160 bis 2.000 Kilometer über der Erde) ist bereits Realität. Und laut Roland Berger wird diese Nutzung neue Maßstäbe für unser künftiges Leben setzen. In Zeiten geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten ist ein schneller Ausbau der Low Earth Orbit Economy wichtiger denn je. In einer Studie beleuchten die Unternehmensberatung Roland Berger und LEOconomy, wie die Low Earth Orbit Economy moderne Volkswirtschaften radikal verändern kann und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um das volle Potenzial heben zu können.
„Die Low Earth Orbit Economy entwickelt sich zu einem der dynamischsten Zukunftsmärkte mit hohem Innovationspotenzial. Bis 2040 könnte sie mehr als eine Billion Euro zur globalen Wertschöpfung beitragen. Angetrieben durch den technologischen Fortschritt im Raumfahrtsektor und den politischen Ambitionen von Raumfahrtnationen wie den Vereinigten Staaten und China hat die Low Earth Orbit Economy das Potenzial, Innovationen freizusetzen, um traditionelle ,On-Earth-Industrien’ zu revolutionieren und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Sie treibt in einzigartiger Weise Zukunftstechnologien in Bereichen wie Telekommunikation, Energie, Umwelt, Landwirtschaft und Logistik voran. Insbesondere Mikrogravitation eröffnet dabei völlig neue Möglichkeiten in der Materialforschung und Medizin, die auf der Erde bislang undenkbar waren”, sagt Manfred Hader, Partner bei Roland Berger.
In Zeiten geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten sei der Ausbau der Low Earth Orbit Economy von strategischer Bedeutung für Europa, um die Abhängigkeit von Akteuren außerhalb des Kontinents zu verringern und die technologische Souveränität nachhaltig zu stärken. Allerdings steht die erfolgreiche Entwicklung einer Low Earth Orbit Economy in Europa vor einer Reihe komplexer Herausforderungen:
Der erste Anwendungsbereich für die Low Earth Orbit Economy ist die Infrastruktur im Weltraum. Dort reicht das Spektrum der Anwendungsfälle vom Bau von Raumfahrzeugen, über die Errichtung von logistischen Knotenpunkten im Orbit bis hin zur Datenlagerung im Weltraum, um den hohen Energieverbrauch auf der Erde zu vermeiden. Ein weiterer wichtiger Bereich seien Dienstleistungen im Weltraum. Dies sind unter anderem Experimente unter Mikrogravitation und die Entwicklung fortschrittlicher Materialien mit einzigartigen Eigenschaften für industrielle Anwendungen. Beispielsweise schätzen die Studienautoren den Markt für Mikrogravitation-Anwendungen für die Pharmaindustrie auf rund 30 Milliarden Euro. Die Weltraumfertigung ist das dritte identifizierte Anwendungsfeld. Im All könnte zum Beispiel die Produktion von Halbleiterkristallen und die Entwicklung überlegener Arzneimittel, etwa kristallisierter Proteine, die auf der Erde nicht produziert werden können, stattfinden.
Schließlich ergeben sich aus der Low Earth Orbit Economy Technologie-Spin-offs für Anwendungen auf der Erde – beispielsweise bei Umwelttechnologien, in der Robotik oder durch den Einsatz von Materialien, die ursprünglich für Weltraummissionen entwickelt wurden. (DFPA/mb)
Roland Berger ist eine im Jahr 1967 gegründete Unternehmensberatung mit Sitz München. Die Gesellschaft beschäftigt rund 3.000 Mitarbeiter. Die 50 Büros von Roland Berger befinden sich an zentralen Wirtschaftsstandorten weltweit.