Im Markt für Private Equity geraten klassische Anreizstrukturen unter Druck. Wie aus einer aktuellen Analyse der Wirtschaftskanzlei Poellath hervorgeht, wird das sogenannte „GP Commitment“ – also die Eigenbeteiligung von Fondsmanagern – zunehmend über komplexe Finanzierungsmodelle abgebildet, statt aus eigenen Mitteln geleistet zu werden.
Traditionell gilt das Prinzip des „Skin in the Game“ als zentraler Mechanismus zur Angleichung der Interessen zwischen Fondsmanagern und Investoren. Üblicherweise investieren Manager dabei einen Anteil von ein bis vier Prozent des Fondsvolumens selbst. Steigende Fondsgrößen und höhere Erwartungen institutioneller Anleger haben diesen Kapitalbedarf jedoch deutlich erhöht.
Um die Mittel aufzubringen, greifen insbesondere im angloamerikanischen Raum viele Anbieter auf alternative Strukturen zurück. Dazu zählen etwa die Wiederverwendung von Erlösen aus älteren Fonds („Equity Recycling“), kreditfinanzierte Beteiligungen oder Beteiligungen externer Investoren an der Managementgesellschaft. Auch sogenannte „Preferred Equity“-Modelle gewinnen an Bedeutung.
Kritisch sehen Experten vor allem Modelle, bei denen Investoren indirekt selbst das Commitment der Fondsmanager finanzieren. Dabei leisten Anleger zusätzliche Beiträge, die intern als Beteiligung des Managers verbucht werden. Diese Konstruktionen können dazu führen, dass Investoren nicht nur ihr eigenes Kapitalrisiko tragen, sondern auch Teile des Risikos des Managements übernehmen.
Hinzu kommen steuerlich motivierte Gestaltungen wie der Verzicht auf Managementgebühren zugunsten gewinnabhängiger Beteiligungen. Zwar kann dies die Anreize stärken, gleichzeitig stellt sich jedoch die Frage, ob Gebührenstrukturen über das notwendige Maß hinausgehen.
Für Investoren gewinnt damit die Prüfung der tatsächlichen Kapitalherkunft an Bedeutung. Fachleute empfehlen, entsprechende Regelungen in Fondsverträgen genau zu analysieren, etwa hinsichtlich Transparenz, Obergrenzen und möglicher Zusatzbelastungen.
In Deutschland spielen solche Modelle bislang eine untergeordnete Rolle. Mit zunehmender Internationalisierung und größeren Fondsvolumina dürfte das Thema jedoch auch hier an Relevanz gewinnen. Entscheidend bleibt laut Experten nicht die nominelle Höhe der Beteiligung, sondern deren wirtschaftliche Substanz. (DFPA/abg)
Die vollständige Analyse finden Sie hier.
Poellath ist eine führende deutsche Wirtschaftskanzlei mit Fokus auf Private Equity, M[&]A, Vermögensnachfolge, Immobilien- und Investmentrecht. Mit rund 180 Experten an den Standorten Berlin, Frankfurt und München berät POELLATH Unternehmen, Investoren und Privatpersonen bei komplexen Transaktionen und Strukturierungen.