Für Verunsicherung unter den professionellen Anlegern sorgen derzeit die Turbulenzen im globalen Halbleitersektor: Der anhaltende KI-Boom hat erhebliche Kapazitätsengpässe ausgelöst. Diese beschränken sich längst nicht mehr nur auf Hochleistungschips, sondern erfassen zunehmend weitere Bereiche der Halbleiterindustrie. Das betont Dr. Eduard Baitinger, seit 2015 Leiter Asset Allocation bei der FERI AG.
Entsprechend sind Umsätze, Gewinne und Gewinnmargen vieler Unternehmen in den vergangenen Quartalen kräftig gestiegen und haben die Aktienkurse deutlich nach oben getrieben. Trotz dieser fundamentalen Unterstützung agierten Anleger zuletzt zunehmend vorsichtig und trennten sich von Halbleiterwerten. Hintergrund ist weniger die aktuelle Ertragslage als vielmehr die Unsicherheit über die Nachhaltigkeit des Booms.
Unter Investoren prallen derzeit zwei gegensätzliche Sichtweisen aufeinander. Die Skeptiker verweisen darauf, dass die Halbleiterindustrie insgesamt stark zyklisch ist und zum klassischen Schweinezyklus neigt. Hohe Gewinnmargen führen zu einem massiven Kapazitätsausbau der etablierten Hersteller und erhöhen zugleich die Attraktivität für neue Akteure, in den Markt einzutreten. Mit zeitlicher Verzögerung entsteht daraus ein Überangebot. Das setzt Preise,
Die Optimisten, darunter viele Unternehmen aus der Branche selbst, argumentieren hingegen, dass der KI-Boom einen strukturellen Nachfrageschub ausgelöst hat und sich die Branche erst am Anfang eines langfristigen Investitionszyklus befindet. Selbst bei einem kräftigen Kapazitätsausbau der Chiphersteller dürfte die Nachfrage das Angebot über Jahre hinweg übersteigen. In diesem Szenario blieben die Gewinnmargen nicht nur bei Hochleistungschips, sondern auch in weiten Teilen der übrigen Halbleiterindustrie auf einem hohen Niveau.
Welche Sichtweise sich letztlich durchsetzt, dürfte sich nicht im laufenden Jahr entscheiden. Nach Einschätzung Baitingers werden die Kapazitätsengpässe mindestens bis Mitte 2027 anhalten. Professionelle Anleger sollten günstige Bewertungen dennoch nicht isoliert betrachten. Auch wenn die Gewinnentwicklung derzeit außergewöhnlich robust ist, bleibt der Sektor aufgrund der Unsicherheit über die langfristige Angebots- und Nachfragedynamik mit erhöhten Risiken behaftet. (DFPA/ljh)
Die FERI-Gruppe mit Hauptsitz in Bad Homburg wurde 1987 gegründet und hat sich zu einem der führenden Multi Asset-Investmenthäuser im deutschsprachigen Raum entwickelt. Zusammen mit MLP betreut FERI drzeit ein Vermögen von über 65 Milliarden Euro, davon mehr als 18 Milliarden Euro Alternative Investments.