UK-Forschung: Energiepreisschock kostet Milliarden
Der Preisanstieg für fossile Energien seit der russischen Invasion in die Ukraine hat Großbritannien laut einer neuen Analyse von E3G und dem Energy and Climate Intelligence Unit (ECIU) rund 183 Milliarden Pfund gekostet. Das entspricht im Schnitt 6.400 Pfund pro Haushalt – in etwa dem Jahresbudget des englischen Gesundheitsdienstes NHS oder dem Dreifachen der britischen Verteidigungsausgaben.
Die Untersuchung zeigt, dass allein 59 Milliarden Pfund auf höhere Strom-, Gas- und Kraftstoffrechnungen privater Haushalte entfallen. 65 Milliarden Pfund belasten Unternehmen und Industrie, weitere 55 Milliarden Pfund sind staatliche Subventionen – trotz der Einführung von Übergewinnsteuern. Hinzu kommen 4,5 Milliarden Pfund für die Abwicklung insolventer Energieversorger sowie jährliche Zinskosten von 2,4 Milliarden Pfund für staatliche Kredite über die kommenden 14 Jahre.
Kurz vor dem britischen Herbstbudget hatte Finanzministerin Rachel Reeves angekündigt, die Energiepreise um 150 Pfund pro Haushalt zu senken. Davon sollen 90 Pfund durch die teilweise Übernahme der Renewables-Obligation-Abgabe durch den Staat kommen. Dieser Schritt wurde von Verbänden und Unternehmen begrüßt, da niedrigere Stromabgaben Anreize zur Elektrifizierung setzten und Haushalte besser vor fossilen Preisspitzen schützten.
Die restliche Entlastung von 60 Pfund soll jedoch durch die Streichung der Energy Company Obligation (ECO) erfolgen – dem zentralen britischen Programm zur Dämmung von Häusern einkommensschwacher Haushalte. Nach Angaben von E3G hat das Programm in den vergangenen 30 Jahren 15 Millionen Haushalten Einsparungen von insgesamt 110 Milliarden Pfund ermöglicht. Die jüngste Version ECO4 sei jedoch aufgrund einer geänderten Ausrichtung und mangelnder Qualitätskontrollen weitgehend gescheitert.
Mit der Abschaffung des Programms würden in den kommenden vier Jahren 5 Milliarden Pfund an Fördermitteln wegfallen. Laut Analyse bedeutet dies, dass eine Million Haushalte keine energetischen Maßnahmen erhalten und 10.000 Beschäftigte – etwa die Hälfte des Sektors – bis April kommenden Jahres ihren Job verlieren würden.
Die Autoren der Studie warnen, Großbritannien nehme damit ausgerechnet ein wirksames Instrument aus dem System, das langfristig Energiekosten senke. Die Entscheidung gefährde die Energiewende und könne „für Jahre nachhallen“. (DFPA/abg)
Den vollständigen Report finden Sie hier. https://www.e3g.org/wp-content/uploads/E3G-ECIU-Cost-of-fossil-fuel-crisis-UK.pdf
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