Umfrage: Finanzprofis drängen auf mehr europäische Souveränität
Finanzmarktteilnehmer sehen Europa angesichts geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Herausforderungen unter erheblichem Handlungsdruck. Nach einer Umfrage des DVFA Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management e.V. sprechen sich große Mehrheiten für stärkere Integration und mehr europäische Eigenständigkeit aus.
Nach Angaben der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) halten 84 Prozent der befragten Investment Professionals einen weiteren Integrationsschritt in Europa für notwendig. Als wichtigste Handlungsfelder nannten die Teilnehmer eine stärkere Sicherheits- und Verteidigungsunion sowie die Vollendung des europäischen Binnenmarktes nach den Vorschlägen des sogenannten Draghi-Reports.
Auch die Banken- und Kapitalmarktunion wird von vielen Befragten als zentral angesehen. Rund ein Fünftel hält sämtliche vorgeschlagenen Maßnahmen gleichermaßen für erforderlich. Zugleich unterstützt knapp die Hälfte der Teilnehmer das Modell eines Europas unterschiedlicher Geschwindigkeiten in Form einer „Koalition der Willigen“.
Mit Blick auf Großbritannien erwarten 41 Prozent der Befragten keine Rückkehr des Landes in die Europäische Union. Allerdings halten mehr als die Hälfte einen Wiedereintritt grundsätzlich für möglich – ein Viertel davon innerhalb der kommenden zehn Jahre.
Für die globale Entwicklung rechnen 56 Prozent der Finanzmarktteilnehmer mit einer stärkeren Regionalisierung der Weltordnung. Europas Wettbewerbsfähigkeit und sicherheitspolitische Eigenständigkeit gewännen dadurch weiter an Bedeutung, erklärte DVFA-Vizepräsident Ingo R. Mainert. (DFPA/abg)
Der DVFA Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management e.V. (DVFA) mit Sitz in Frankfurt am Main ist die Standesorganisation aller Investment Professionals in den deutschen Finanz- und Kapitalmärkten. Für seine über 1.400 Mitglieder aus dem Investment- und Risikomanagement engagiert sich der Verband für die Professionalisierung des Berufsstandes, erarbeitet Standards, fördert den Finance-Nachwuchs und bringt sich in die regulatorische und politische Diskussion ein.