Die jüngsten US-Inflationsdaten haben an den Finanzmärkten für Erleichterung gesorgt. Doch möglicherweise freuen sich die Anleger über die falschen Zahlen, so merkt Edgar Walk an, Chefvolkswirt bei dem Vermögensverwalter Metzler Asset Management.
Sowohl die Verbraucherpreise (CPI) als auch die Erzeugerpreise (PPI) signalisierten zuletzt einen moderateren Preisdruck. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Die Prognosen für weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank gingen deutlich zurück. Für September preist der Markt derzeit nur noch eine Wahrscheinlichkeit von rund 30 Prozent für eine Leitzinserhöhung ein. Bis Dezember steigt dann die Wahrscheinlichkeit auf etwa 70 Prozent – von der zwischenzeitlichen Erwartung zweier zusätzlicher Zinsschritte sei der Markt jedoch deutlich abgerückt.
Das Problem: Für die Federal Reserve könnten die entscheidenden Inflationsdaten deutlich weniger beruhigend ausfallen. „Die derzeitige Entspannung am kurzen Ende der US-Zinskurve erscheint verfrüht“, sagt Walk. Denn weder CPI noch PPI bilden unmittelbar den zentralen Inflationsmaßstab der Fed. Entscheidend bleibe vorerst der Kern-Konsumentenpreisdeflator (Core-PCE-Deflator). „Und genau hier könnte die nächste Veröffentlichung eine unangenehme Überraschung liefern. Nach unseren Berechnungen waren ausgerechnet jene Komponenten des PPI besonders stark, die in den Kern-Konsumentenpreisdeflator einfließen.” Dazu gehören unter anderem Gebühren für das Portfoliomanagement, deren statistische Berechnung teilweise von der Entwicklung der Aktienmärkte beeinflusst wird.
Vielleicht rechneten die Finanzmärkte schon bald mit einem neuen Inflationsmaß als Basis für das Inflationsziel, das deutlich niedriger als 3,4 Prozent liegt. Zwar diskutiert die Federal Reserve bereits über alternative Inflationsmaße, die extreme monatliche Preisbewegungen stärker herausfiltern sollen. Eine kurzfristige Änderung des geldpolitischen Kompasses sei jedoch kaum zu erwarten. Ergebnisse der entsprechenden Analysen werden erst gegen Jahresende erwartet.
„Die Finanzmärkte setzen derzeit stark auf eine weitere Entspannung der Inflationslage“, so Walk. „Sollte der Kern-Konsumentenpreisdeflator jedoch wieder anziehen – auch weil sich die Konjunktur von einem reinen KI-Investitionsboom zu einem allgemeinen Investitionsboom verbessert – könnte sich schnell zeigen, dass die Fed noch nicht am Ende ihres Zinserhöhungszyklus angekommen ist.“ (DFPA/mb)
Die B. Metzler seel. Sohn [&] Co. Aktiengesellschaft ist eine Privatbank mit Sitz Frankfurt am Main. Das 1674 gegründete Unternehmen ist schwerpunktmäßig in den Geschäftsfeldern Vermögensverwaltung und Investmentbanking tätig.