Bereits Anfang dieses Jahres befürchtete Carsten Mumm, Chefvolkswirt des Bankhauses Donner [&] Reuschel, dass die amerikanische Notenbank Federal Reserve unter der Trump-Administration erheblich unter Druck geraden könnte. EXXECNEWS berichtete. Er hat recht.
Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ist unter zunehmendem Druck seitens der US-Regierung, die Zinsen zu senken. Präsident Trumps anhaltende Forderungen an den Fed-Vorsitzenden Jerome Powell, die Zinsen zu senken, bringen Risiken für Anleger mit sich. Trumps Versuche, direkten Einfluss auf die Besetzung des Fed-Vorstands zu nehmen – etwa die Entlassung der Fed-Gouverneurin Lisa Cook – verschärfen die Situation zusätzlich, meint Anthony Willis, Senior Economist bei Columbia Threadneedle Investments: „Auf lange Sicht gehen damit wirtschaftliche wie auch politische Risiken einher, auf die Anleger vorbereitet sein müssen.“
Die Entlassung von Fed-Gouverneurin Lisa Cook war diese Woche das große Gesprächsthema. Cook dürfte diesen Schritt zwar anfechten. Doch langsam setzt sich das Gefühl durch, dass das Weiße Haus nach und nach gegenüber der US-Notenbank die Oberhand gewinnt, sagt Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management: „Die Regierung pocht nachhaltig auf Zinssenkungen, um das Haushaltsdefizit zu senken, wobei die Wirtschaftsexperten um Trump die Angst vor damit einhergehenden Inflationsrisiken als unbegründet abtun. Ganz anders die Märkte, die sich für den Fall einer Lockerung sehr wohl um die Preisstabilität sorgen.“
„Trumps Kritik an den Fed-Vertretern konzentrierte sich vor allem auf deren Weigerung, die Zinsen zu senken“, sagt PIMCO-Ökonomin Tiffany Wilding: „Wir halten es nach wie vor für sehr unwahrscheinlich, dass das FOMC [der Offenmarktausschuss der Fed, der über Zinsanpassungen entscheidet – Anm. d. Red.] kurzfristig drastische Zinssenkungen vornehmen wird, da die institutionellen Strukturen bestehen bleiben und für die juristische Klärung solch beispielloser Maßnahmen Zeit erforderlich ist. Gleichzeitig gibt es weiterhin zahlreiche Gründe, die Unabhängigkeit der Fed als intakt zu betrachten.“
Die Märkte haben die Risiken einer Federal Reserve, die sich möglicherweise dem Willen der Trump-Regierung beugen könnte, noch nicht vollständig eingepreist, schreibt Patrice Gautry, Chefvolkswirt der Schweizer Privatbank Union Bancaire Privée (UBP). Es liege nicht im Interesse von Donald Trump, der Fed ihre Autonomie zu nehmen: Die Kosten wären zu hoch, da sie die Renditen in die Höhe treiben und den Dollar schwächen würden. Stattdessen verfolge er die Strategie, dafür zu sorgen, dass sich die Mehrheit der Fed-Gouverneure der geldpolitischen Doktrin der Regierung anschließt. Die Reform der Aufgaben der Fed sei bereits Teil der Agenda von Trump, insbesondere in Bezug auf die Finanzregulierung, die unter die Kontrolle des Finanzministeriums gestellt werden könnte; Diskussionen über eine Lockerung der Bankenregulierung wären bereits im Gange. Die Federal Reserve würde zu einer weiteren Behörde werden, die nur dem Namen nach unabhängig ist, deren Rolle in einer Finanzkrise beschränkt wäre, deren Rolle als Kreditgeber der letzten Instanz geringer wäre und deren Fähigkeit, als Regulierungsbehörde zu agieren, geschwächt wäre. (DFPA/ljh)
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