Auch 35 Jahre nach der Wiedervereinigung zeigen sich anhaltende Unterschiede in den Vermögen und in der Inanspruchnahme staatlicher Förderprogramme zur Vermögensbildung zwischen Ost- und Westdeutschland. Eine Studie des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) für die Ostbeauftragte der Bundesregierung legt den Fokus auf die Treiber und Barrieren der Vermögensbildung sowie die Bewertung und Perspektiven von Anlageformen und Förderinstrumenten.
Es zeigen sich anhaltende Unterschiede in den Vermögen zwischen Ost- und Westdeutschland. Der Median des Vermögens in Ostdeutschland lag 2017 bei 11.000 Euro, in Westdeutschland waren es 26.000 Euro und damit mehr als doppelt so viel. In Westdeutschland ist der Anteil der Personen, die über selbstgenutztes Wohneigentum verfügen, mit 40 Prozent nach wie vor höher als in Ostdeutschland (30 Prozent). In Bezug auf das Finanzvermögen zeigen sich Unterschiede mit Blick auf das Risikoprofil: Risikoärmere Optionen (zum Beispiel Bankguthaben) werden deutlich stärker in Ostdeutschland genutzt als in Westdeutschland, wo risikoreicheren Anlagen (zum Beispiel Aktien) einen größeren Anteil ausmachen. In Ostdeutschland haben 6,7 Prozent der Bevölkerung in den vergangenen 15 Jahren geerbt, in Westdeutschland sind es 8,4 Prozent; hinzukommt, dass deutlich niedrigere Beträge übertragen werden: 12.500 Euro im Median in Ost- und 35.000 Euro in Westdeutschland.
Die untersuchten staatlichen Förderinstrumente zur Vermögensbildung (vermögenswirksame Leistungen, Wohnungsbauförderung) werden in Ostdeutschland mit Ausnahme des Baukindergelds insgesamt seltener und in geringerem Umfang genutzt als in Westdeutschland. Haushalte in Ostdeutschland machen durchschnittlich seltener von vermögenswirksamen Leistungen Gebrauch als jene in Westdeutschland und auch die angesparten Guthaben sind in Ostdeutschland geringer.
Ostdeutsche zeigten tendenziell eine höhere Präferenz für Sicherheit in ihren Anlageentscheidungen, beeinflusst auch durch die wirtschaftlichen Unsicherheiten der Transformationsjahre nach der Wende.
Die Handlungsempfehlungen: Finanzbildung sollte systematisch ausgebaut und beim Vermögensaufbau einkommensschwächere Gruppen noch stärker in den Blick genommen werden, insbesondere in Ostdeutschland. Andererseits werden die Stärkung und Weiterentwicklung bestehender Förderinstrumente sowie die stärkere Ausrichtung der Wohnungsbauförderung auf eine Vermögensbildung für breite Bevölkerungsschichten empfohlen. (DFPA/mb)
Das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung e.V. (IAW) ist ein unabhängiges Forschungsinstitut an der Universität Tübingen. Das IAW-Team forscht zu wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Viele Forschungsprojekte haben zum Ziel, fundierte Grundlagen für wirtschaftspolitische Entscheidungen zu erarbeiten.