Wir nehmen Mikroplastik im Äquivalent einer Kreditkarte auf. Pro Woche! Das kann nicht gesund sein – nicht für uns Menschen, nicht für unsere Ökosysteme. Vielleicht einer der Gründe, bei Investments dem Geld eine bewusste Richtung zu geben, meint Dr. Marlene Waske, Ethik-Analystin beim Schweizer Vermögensverwalter Arete Ethik Invest.
Die allgegenwärtige Plastikverschmutzung ist eine direkte Konsequenz linearer Produktions- und Konsummuster. Wir kaufen, um wegzuwerfen. Plastik – genauer gesagt eine Gruppe verschiedener Polymere auf Erdölbasis – hat Materialeigenschaften, die durchweg positiv sind. Es ist widerstandsfähig, unbegrenzt formbar, leicht und vor allem sehr, sehr billig! Seit Beginn der Massenproduktion von Kunststoffen hat die Menschheit insgesamt acht Milliarden Tonnen Plastik produziert. Die globale Jahresproduktion stieg von rund zwei Millionen Tonnen im Jahr 1950 bis auf 400 Millionen Tonnen im Jahr 2015. Mehr als die Hälfte allen Plastiks weltweit ist erst in den letzten 20 Jahren entstanden. Damit hat das extreme Wachstum der Plastikproduktion in den letzten 65 Jahren nahezu jedes andere menschengemachte Material überflügelt. Ausnahmen sind nur Stahl und Zement.
2/3 = Müll
Zwei Drittel allen jemals hergestellten Plastiks gammeln heute als Müll auf Deponien oder verschmutzen Umwelt und Meere. Der große pazifische Müllstrudel, in dem sich vor allem Plastikmüll sammelt, hat mittlerweile eine Fläche, die dem 4,5-fachen der Bundesrepublik entspricht. Doch es sind nicht nur die Plastikcontainer, Tüten und Reifen, die man vielleicht irgendwie automatisiert aus dem Meer fischen könnte. Plastik wird nicht in der Umwelt abgebaut – es zerfällt in immer kleinere Teilchen. In Mikroplastik, also in Teilchen, die kleiner als 5 Millimeter sind, und schließlich in Nanoplastik. Diese Teilchen sind kleiner als 1 Mikrometer – zum Vergleich: ein durchschnittliches menschliches Kopf- haar ist 0,05 mm dick – also 50 Mikrometer!
Warum ist das Problem eine Bedrohung?
Mikroplastik findet sich im Boden, im Wasser, in der Wüste, im ewigen Eis. Über unsere Nahrung gelangt es in unseren Körper, in unser Blut. Es gehört da nicht hin – nicht in die Umwelt und erst recht nicht in den menschlichen Körper. Nanoplastik ist so klein, dass es von Zellen aufgenommen werden kann und dabei wirkt es wie ein Magnet für krebs- auslösende Stoffe. Wir können die Konsequenzen einer derartigen Kontamination noch nicht abschätzen, aber es gibt Hinweise, dass gesundheitliche Konsequenzen für Pflanzen, Tiere und Menschen drohen.
Was können Investoren tun, um möglichst Teil der Lösung zu sein, nicht des Problems?
Natürlich können Investoren in eben jene Start-Ups investieren, die sich direkt mit der Lösung des Problems befassen. Doch ist dieser (sehr riskante) Typ Geldanlage kaum für Otto Normalverbraucher geeignet. Doch auch bei Anlagen außerhalb der Start-Up Szene lassen sich Strategien entwickeln, die langfristig zu einer geringeren Plastikverschmutzung beitragen. Lösungsansätze wie die Reduktion von Neukunststoffen und die Förderung der Kreislaufwirtschaft bieten zwar Hoffnung, doch stehen viele Technologien noch am Anfang.
Investoren können durch gezielte Anlageentscheidungen und Engagement dazu beitragen, Plastikverschmutzung zu bekämpfen, indem sie etwa in Unternehmen investieren, die sich um nachhaltigere Produktionsmethoden bemühen. Der Druck auf Unternehmen, Transparenz zu schaffen und messbare Fortschritte bei der Reduzierung von Plastikemissionen zu erzielen, ist dabei entscheidend. Die United Nations Principles for Responsible Investment (UN-PRI) empfehlen darüber hinaus, dass Investoren sich im Rahmen ihrer Engagement Aktivitäten mit dem Thema Plastik befassen sollten.
Was bleibt?
Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass unter den größten Plastikemittenten, die von BFFP identifiziert worden sind, ausschließlich Unternehmen des so genannten Fast Moving Consumer Goods (FMCG) Sektors – zu Deutsch: Schnelldreher – zu finden sind. Dies sind Unternehmen, die Produkte verkaufen, die regelmäßig gekauft, aufgebraucht und wieder neu gekauft werden (müssen). In ärmeren Regionen der Welt haben die Menschen zudem oft nur genügend Geld, um täglich das Notwendigste einzukaufen – in kleinstmöglichen Abpackungen, oft aus Plastik oder Verbundstof- fen. Und auch in den Industrieländern ist die limitierte Ladenfläche im Handel ein entscheidender Faktor. Um Umsätze zu steigern können entweder die Preise erhöht werden oder die vorhandene Verkaufsfläche besser genutzt werden – durch eine hohe „Warenrotation“, also kaufen, aufbrauchen, neu kaufen und das alles so schnell wie möglich. Oft kaufen wir, ohne groß darüber nachzudenken, denn kleinste Packungen sind praktisch, ermöglichen den Kauf nach Bedarf statt auf Vorrat und kosten uns gefühlt wenig. Doch unsere Enkel kostet es vielleicht die Zukunft. (DFPA/abg)
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Seit 1995 betreut die Arete Ethik Invest AG als unabhängige Vermögensverwaltungsgesellschaft private und institutionelle Kunden. Dabei verwalten das Unternehmen unterschiedliche Anlagefonds, darunter auch den ersten Ethikfonds in Kontinentaleuropa: den PRIME VALUES Income. Die Gesellschaft wurde im Rahmen eines Management Buy-Outs anfangs 2021 von Hauck [&] Aufhäuser (Schweiz) AG in Arete Ethik Invest AG umfirmiert. Dabei ging diese zu 100 Prozent an die Belegschaft über.