Die Anleihemärkte zeigen sich trotz geopolitischer Unsicherheiten widerstandsfähig. Svein Aage Aanes, Head of Fixed Income bei dem norwegischen Vermögensverwalter DNB Asset Management, analysiert die Lage im Iran-Konflikt, Inflationsrisiken und Chancen bei nordischen Hochzinsanleihen.
Das Gesamtbild am Anleihemarkt scheint derzeit von der anhaltenden Überzeugung geprägt zu sein, dass die Lage im Iran zu einer Lösung führen wird, welche die Straße von Hormus öffnet und offen hält. Darüber hinaus sollte das globale Wirtschaftswachstum durch die anhaltenden Auswirkungen der Sperrung der Meerenge nicht ernsthaft beeinträchtigt werden. Die Wachstumsprognosen für 2026 wurden leicht nach unten korrigiert, während die Prognosen für 2027 weitgehend stabil geblieben sind.
Für den Rest des Jahres 2026 gibt es allerdings noch Ungewissheiten, die geklärt werden müssen. An erster Stelle steht die Frage, ob die vorläufige Vereinbarung zwischen den Konfliktparteien Bestand haben wird und wie lange.
Die Kreditspreads sind aktuell recht eng, nicht zuletzt in den Investment-Grade-Märkten. Dies erhöhe deutlich das Risiko für vorübergehende Rückschläge, wie wir sie im April vergangenen Jahres und im März dieses Jahres erlebt haben. Da jedoch kein nennenswerter Rückgang des Wirtschaftswachstums erwartet wird, der zu einem fundamentaleren Ausverkauf führen würde, wird weiterhin das Potenzial gesehen, dass Unternehmensanleihen bei einem Anlagehorizont von sechs bis zwölf Monaten einen bedeutenden Beitrag zur Rendite leisten können. Für nordische Hochzinsanleihen sei die deutliche Ausweitung des Kreditspreads zwischen den nordischen und den US-amerikanischen beziehungsweise europäischen Hochzins-Spreads ein eindeutig positiver Faktor. Diese Ausweitung bewegt sich am oberen Ende der in den vergangenen sieben bis acht Jahren beobachteten Bandbreite.
Der recht deutliche Anstieg der Spreads nordischer Hochzinsanleihen im Vergleich zu Europa und den USA biete eine Chance auf höhere Renditen für Anleger– entweder als Puffer, wie es im März dieses Jahres der Fall war, oder durch eine Verengung der nordischen Spreads, wie sie in der ersten Hälfte des Jahres 2024 zu beobachten war. (DFPA/mb)
DNB Asset Management gehört zu den führenden Vermögensverwaltern in der nordischen Region und verfügt über Niederlassungen in Norwegen (Oslo und Bergen), Schweden und Luxemburg. DNB Asset Management ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der DNB ASA, einer Finanzdienstleistungsgruppe in Norwegen.