In der kommenden Woche haben wichtige Zentralbanken zum ersten Mal die Gelegenheit, offiziell auf die durch den Konflikt im Nahen Osten ausgelösten Schocks zu reagieren. Innerhalb von nur 24 Stunden finden geldpolitische Sitzungen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), der Europäischen Zentralbank (EZB), der Bank of England (BoE), der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und der Bank of Japan (BoJ) statt.
Die fünf Zentralbanken dürften ihre Leitzinsen unverändert lassen, betont vorsichtig reagieren und sich in Bezug auf künftige Maßnahmen nicht festlegen, meint Sean Shepley, Senior Economist bei Allianz Global Investors.
Am schwierigsten ist die Situation womöglich in den USA. Die rückläufigen Beschäftigungszahlen im Februar haben gezeigt, dass der US-Arbeitsmarkt weiterhin schwächelt; die stärkere konjunkturelle Dynamik führt bisher nicht zu Neueinstellungen. Marktteilnehmer rechnen weiterhin damit, dass die Fed die Leitzinsen in diesem Jahr senkt – allerdings zu einem späteren Zeitpunkt und nicht im selben Umfang wie zuvor prognostiziert.
Im Euroraum hat sich die Gesamtinflationsrate auf den Zielwert zubewegt, wobei der Abwärtspfad nach immer gerade verlief und sich nach wie vor die Frage stellt, ob sich die Inflation der Dienstleistungspreise hinreichend verlangsamt, damit die Gesamtrate dauerhaft beim Zielwert verharrt. Bei stabilen Inputpreisen konnte sich die EZB Geduld leisten.
Die britischen Preise reagieren sehr sensibel auf die Preisentwicklung der Erdgasimporte, sodass Großbritannien in dieser Hinsicht sehr anfällig ist – zumal die Inflation schon seit der Pandemie über dem Zielwert liegt. Allerdings rechnen die Märkte auch nicht mehr mit zwei Zinssenkungen, die zuvor für das laufende Jahr erwartet wurden.
Die SNB muss sich wohl kaum Sorgen wegen eines Inflationsschocks machen. Wenn die Energiepreise stärker ansteigen, werden Extremszenarien wie eine Rückkehr zu Negativzinsen zudem weniger wahrscheinlich. Die BoJ war von allen betrachteten Zentralbanken einer Zinsanhebung am nächsten. Allerdings wird ihr Spielraum durch den politischen Widerstand gegen Zinsanhebungen eingeschränkt, sodass auch in Japan wohl kein Zinsschritt zu erwarten ist. (DFPA/ljh)
Allianz Global Investors (Allianz GI) ist ein global tätiger Investment-Manager mit Sitz in Frankfurt am Main mit rund 591 Milliarden Euro Assets under Management (AuM) für institutionelle und private Anleger in Aktien-, Renten-, Private-Markets- sowie Multi-Asset-Strategien.