Deal-Flaute zwingt Private-Equity-Manager zum Strategiewechsel
Die anhaltende Flaute bei Unternehmensübernahmen in Europa verändert die Karrieredynamik in der Finanzbranche grundlegend. Immer mehr Führungskräfte aus dem klassischen Private Equity (PE) wechseln in die Bereiche Private Credit und Secondaries, wo Transaktionsvolumen und Wachstum derzeit deutlich höher sind, meint Emily Lai vom US-amerikanisches Finanzdaten- und Analyseunternehmen PitchBook.
Auslöser sei ein schwieriges Marktumfeld: Hohe Zinsen, geopolitische Unsicherheiten und ein schwacher Exit-Markt bremsen das traditionelle Buyout-Geschäft. Gleichzeitig verzeichnen Private-Credit- und Secondaries-Segmente ein starkes Wachstum. Diese Verschiebung beeinflusst zunehmend die Karriereentscheidungen von Investmentprofis.
„Immer mehr Kandidaten priorisieren heute Private Credit als Karriereschritt – vor einigen Jahren wäre das kaum denkbar gewesen“, sagt Stuart Wilson von der Personalberatung Dartmouth Partners. Ausschlaggebend sei weniger die Vergütung als vielmehr die Möglichkeit, tatsächlich Transaktionen abzuschließen – ein zentraler Erfolgsfaktor im Markt.
Neben der geringen Deal-Aktivität belasten auch Einstellungsstopps die Perspektiven im klassischen PE. Vor allem kleinere und mittelgroße Häuser stehen unter Druck, da Kapital sich verstärkt bei großen Managern bündelt. Laut Daten von PitchBook sank die Zahl der von aufstrebenden Managern aufgelegten Fonds in Europa von 129 im Jahr 2023 auf nur noch 57 im Jahr 2025.
Parallel bauen große Investmenthäuser ihre Aktivitäten in wachstumsstarken Segmenten aus. So übernahm CVC Capital Partners Anfang 2026 den US-Kreditmanager Marathon Asset Management. Auch andere Anbieter erweitern gezielt ihr Angebot im Bereich Private Credit oder Secondaries, häufig durch Zukäufe oder den gezielten Aufbau neuer Teams.
Diese Expansion schafft Nachfrage nach erfahrenen Fachkräften. Besonders gefragt sind PE-Manager mit nachweislicher Transaktionserfahrung, die neue Plattformen mit Glaubwürdigkeit und Netzwerk stärken können. „Unternehmen setzen gezielt auf erfahrene Investoren, um neue Geschäftsbereiche schnell zu skalieren“, erklärt Michaela Tomaras von Wessex Partners.
Allerdings ist der Wechsel nicht ohne Risiken. Die Tätigkeitsprofile unterscheiden sich deutlich: Während Private Equity stark auf operative Wertsteigerung und aktive Unternehmensführung setzt, liegt der Fokus bei Private Credit auf Strukturierung und Risikominimierung. Secondaries-Investoren wiederum agieren überwiegend auf Fondsebene.
Diese Spezialisierung kann langfristig zum Hindernis werden. „Je länger jemand in einer rein kreditfokussierten Rolle bleibt, desto schwieriger wird die Rückkehr ins klassische PE“, warnt Tomaras. Personalentscheider achteten zunehmend auf die Nähe zur operativen Unternehmenssteuerung.
Dennoch verschwimmen die Grenzen zwischen den Anlageklassen teilweise. Multi-Strategie-Plattformen und hybride Investmentansätze, die Elemente von Eigen- und Fremdkapital kombinieren, gewinnen an Bedeutung und eröffnen neue Karrierepfade.
Für viele Branchenexperten ist klar: Die aktuelle Marktphase markiert nicht nur eine vorübergehende Verschiebung, sondern könnte die Struktur des Private-Markets-Sektors nachhaltig verändern. Entscheidend bleibt dabei, ob sich die Aktivität im klassischen Buyout-Geschäft mittelfristig erholt – oder ob der Trend zu alternativen Strategien dauerhaft anhält.
PitchBook ist ein US-amerikanisches Finanzdaten- und Analyseunternehmen, das sich auf Private Equity, Venture Capital, Mergers & Acquisitions (M&A) und andere Bereiche der privaten Kapitalmärkte spezialisiert hat. Das Unternehmen wurde 2007 gegründet und gehört seit 2016 zur Morningstar Inc., einem großen Anbieter von Finanzinformationen und Investmentanalysen.