Der Klimabeitrag auf dem Bierdeckel

Blackrock, Vanguard, Axa und Co.: Die Großen der Finanzindustrie versprechen, der klimaschädlichen Kohleindustrie den Finanzhahn abdrehen zu wollen, und die Öffentlichkeit reagiert entzückt. Endlich passiert etwas beim Klimaschutz. Neue Fonds spülen auf den Markt, meist tragen sie Zusätze wie „low-carbon“ oder „fossil-free“ im Namen, die aussagen sollen: Dieser Fonds legt besonderen Wert auf hohe CO2-Einsparungen. Die Realität aber ist keine grüne, sondern erstickt im Graubereich, zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine ziemlich große Lücke. In EXXECNEWS Ausgabe 05/2020 schreibt Alexander El Alaoui, Director Sustainable Investments bei Salm-Salm & Partner, über einen neuartigen Ansatz zur Bewertung der Klimabilanz von Unternehmen.

Pariser Klimabeschlüsse: Boom für Fondsindustrie

Laut einem Bericht der Financial Times vor zwei Jahren haben all jene, die angaben, sich schon bald von ihren Kohlebeteiligungen trennen zu wollen, das genaue Gegenteil davon getan. Der US-Vermögensverwalter Blackrock wie auch und der französische Versicherer Axa haben demnach zwischen 2016 und 2018 ihre Beteiligungen an Kohlefirmen weiter aufgestockt, statt sie zu reduzieren. Mehr statt weniger Kohle für die selbsterklärten Klimaretter? Dieser Fall, der Assoziationen irgendwo zwischen Intransparenz und Betrug weckt, ist sicherlich kein Ruhmesblatt für die Finanzindustrie und will auch nicht so ganz in die aufgehübschte Marketingstrategie der prominenten Geldhäuser passen. Was bleibt, ist ein herber Dämpfer für all jene, die ihr Vertrauen als Preis für ein grünes Gewissen am Bankschalter zurücklassen und die Erkenntnis, dass hinter den Versprechungen vermeintlich nachhaltiger Fonds so einige Fallstricke lauern.

Ein Grund für diesen Missstand liegt in der noch immer ungebrochenen Dominanz sogenannter Indexfonds (oder ETFs). Das Problem: Da das darin investierte Geld denselben Pfaden folgt wie der Markt, dem ETFs dank passiver Fondsstrategie automatisch folgen, werden Anlageentscheidungen noch immer von mathematischen Modellen getroffen. Die Klimabilanz der Unternehmen spielt hier keine Rolle.

Messlatte gibt das Pariser Klimaabkommen vor

Das führt zum nächsten Problem: Was eigentlich ist eine gute Klimabilanz? Welche Unternehmen liegen vorn beim Klimaschutz, welche hinten? Wann ist ein Unternehmen nicht nur grün, sondern grün genug? Die Messlatte für all diese Fragen gibt das Pariser Klimaabkommen vor, so viel ist klar. Wie aber die Kompatibilität mit dem sperrigen Vertragswerk messen? Das ist nicht immer so klar.

Meist wird auf den sogenannten „Carbon Footprint“ (CO2-Fußabdruck) verwiesen, mit dem sich ermitteln lässt, wie viele Klimagase ein Unternehmen schon in die Atmosphäre geblasen hat. Ein eindeutiger und wissenschaftlich solider Referenzwert, eine Benchmark etwa, fehlt dabei allerdings. Das heißt: Es bleibt offen, wie groß der Footprint maximal sein darf, um noch im Einklang mit den Zielen von Paris zu stehen.

Neues Tool verspricht Abhilfe

Beispiele wie diese zeigen: Wer klimabewusst investieren will, stößt bei passiven Indexfonds schnell an natürliche Grenzen und fühlt sich auch beim Footprint nicht immer gut aufgehoben. Abhilfe verspricht da ein neuartiger Ansatz, der von dem Frankfurter Fin-Tech right. based on science entwickelt wurde. Dort hat ein Team von Wissenschaftlern ein Modell entwickelt, das per Knopfdruck Emissionsdaten eines Unternehmens mit Angaben zu dessen finanzieller Leistung kombiniert und daraus den individuellen Beitrag dieses Unternehmens zum Klimawandel berechnet. Im Unterschied zum Carbon Footprint wird dieser Beitrag in Grad Celsius berechnet. Die Klimawirkung auf dem Bierdeckel also.

Die Macher setzen dabei vor allem auf Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA), deren Szenarien erlauben, nicht nur Prognosen für die künftige Emissionsentwicklung abzulesen, sondern auch branchenspezifische Zielvorgaben zu bestimmen. Denn anders als beim CO2-Fußabdruck, in den nur historische Emissionen einfließen, will das Gründerteam von right. based on science den Blick nach vorn richten. So lassen sich neben der gegenwärtigen Emissionsintensität eines Unternehmens, sondern auch der jährliche Umfang an CO2-Emissionen bestimmen, den das Unternehmen künftig einsparen sollte.

Konventionelle Fonds fachen Klimawandel an

Mit dem Vermögensverwalter Salm-Salm & Partner integriert bereits seit 2017 der erste Fondsanbieter die Kennzahl bei seinen Anlageentscheidungen. Und er kann mit den Ergebnissen schon mehr als zufrieden sein. Würde jeder Fonds so investieren wie der „Salm-Salm Sustainability Equity Fonds“, so das Ergebnis einer ersten Berechnung, würde sich die Erde nur um 1,38 Grad Celsius erwärmen. Konventionelle Fonds erreichen dagegen Werte von schätzungsweise vier bis sechs Grad. Wer zum Beispiel Geld in einem DAX30-Indexfonds anlegt, trägt dazu bei, dass die Temperaturen um circa fünf Grad Celsius steigen. Zum Vergleich: Eine Einzelinvestition in den Apple-Konzern würde unterdessen dazu beitragen, dass sich die Erde „nur“ um circa 1,5 Grad erwärmt. Dieses Beispiel zeigt: Klimaschützer gibt es in Frankfurt viele. Die wenigsten aber sitzen in Bürotürmen.

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