ESG als Performance-Treiber bei Schwellenländer-Aktien

Das Anlegerinteresse an Schwellenländer-Aktien und einem bewährten nachhaltigen Anlageprozess ist ungebrochen. In einer Region mit hohem Wachstumspotential und hohem Risiko ist es jedoch wichtig, eine konsequente Anlagephilosophie vorweisen zu können, die globale und lokale Faktoren gleichermaßen berücksichtigt, schreibt David Czupryna, Head of ESG Development bei Candriam in EXXECNEWS Ausgabe 11/2020. Eine Candriam-Studie belege, dass ein Ansatz, der Governance-Faktoren, Risikoanalysen und die Integration von Nachhaltigkeitstrends verbindet, die Investment-Performance von Schwellenländer-Aktien in neun von zehn Jahren signifikant verbessern konnte.

Mythen über nachhaltiges Investieren halten sich hartnäckig. Eines der am meisten gehegten Vorurteile ist, dass Anleger, die konsequent auf nachhaltige Strategien setzen, auf Performance verzichten müssten. Diese Annahme ist indes nicht nur vonseiten der Wissenschaft, sondern ebenso von zahlreichen Branchendiensten widerlegt worden. Im Februar 2019 veröffentlichten etwa die Experten des Finanzinformations- und Analyseunternehmens Morningstar die Resultate einer Studie zur 2018er Performance von ESG-Strategien. Demnach beendeten 63 Prozent der untersuchten ESG-Fonds das Jahr in der oberen Hälfte ihrer jeweiligen Kategorie. Nachhaltige Aktienfonds schlossen im volatilen Umfeld von 2018 sogar gänzlich besser ab als ihre „konventionellen“ Pendants.

Hilfreich ist zudem ein Blick auf die aktuelle Krise, die die weltweiten Märkte erstmals wieder seit der großen Rezession von 2008 bis 2009 mit Problemen konfrontiert. Damals war die Integration von Umwelt-, Sozial-, und Governance-Faktoren (ESG) eher ein Spezial-Investment, heute hingegen fast schon Mainstream-Ansatz mit einem weltweit verwalteten Vermögen, das mindestens dreimal so hoch ausfällt wie vor zehn Jahren. ESG-Strategien werden durch COVID-19 und den Ölpreiskrieg gleich doppelt getroffen und erfahren damit ihren ersten ernsthaften globalen Test. Im Moment scheinen sie diesen allerdings klar zu bestehen: Strategien mit ESG-Fokus schnitten auf aggregierter Basis besser ab als Nicht-ESG-Strategien. Aus dem Research der Bank of America mit Stand vom 25. März geht hervor, dass seit dem Höchststand beim S&P 500 vom Februar die in Bezug auf ESG im obersten Quintil rangierenden Aktien um mehr als fünf Prozent besser als der Markt abschnitten. Auch um die Größe und die Performance des Sektors bereinigt, performten Aktien mit gutem ESG-Rating um drei bis vier Prozent besser als der S&P 500. Obwohl ESG-Strategien vielfältig sind und sicherlich nicht immer eine bessere Wertentwicklung aufweisen werden, sprechen die Forschung und die tatsächlichen Resultate eine deutliche Sprache: Nachhaltiges Investieren ist nicht gleichbedeutend mit Performance-Einbußen.

Immer mehr Anleger orientieren sich in den Industrieländern bei der Kapitalanlage an ESG-Kriterien. Die Integration dieser Faktoren stellt in Schwellenländern hingegen eine größere Herausforderung dar. Es sind andere Strategien nötig, um sowohl positive finanzielle Erträge zu erzielen als auch das soziale und natürliche Kapital der Zielinvestments zu schützen. Eine einfache Übertragung von Prozessen auf Schwellenländer ist nicht angemessen. Hier ist vielmehr ein ganzheitlicher Ansatz gefragt. Hierfür haben seit 2005 die Schwellenländer- und ESG-Teams von Candriam ein eigenes ESG-konformes Anlageuniversum mit entsprechenden Datenbeständen aufgebaut, die genutzt werden können, um einen bestimmten ESG-Ansatz zu testen. Die Analysen umfassen zahlreiche fundamentale Elemente auf Basis eigener Untersuchungen der Unternehmensführung (Governance) und des Risikos von Kontroversen. Dabei durchleuchten die Analysten die Geschäftsaktivitäten jedes einzelnen Unternehmens, um zu prüfen, wie es auf die Herausforderungen und Chancen in Bezug auf die langfristige Nachhaltigkeit ausgerichtet ist.

Das ESG-Team von Candriam beginnt mit dem breiten Universum aller knapp 1.200 MSCI Emerging Markets Index-Komponenten und analysiert fast 90 Prozent davon nach Marktkapitalisierung. Diejenigen Titel, die proprietäre Analysen und Recherchen, etwa in Hinblick auf kontroverse Aktivitäten, Governance-Faktoren oder globale Nachhaltigkeitstrends bestehen, bilden daraufhin ein circa 700 Aktien umfassendes Investment-Universum, das sich in den jeweiligen Strategien des ESG-Portfoliomanagements wiederfinden darf. Dieses Universum wird mindestens einmal im Monat überarbeitet.

Auch hier zeigt sich: Die Integration von ESG-Aspekten kann die Anlageergebnisse signifikant verbessern. Das ESG-konforme Universum nachhaltiger Schwellenländer-Aktien erzielte über einen Zeitraum von zehn Jahren im Durchschnitt eine Outperformance von 2,4 Prozent pro Jahr auf Bruttobasis gegenüber dem MSCI EM Equity Index – bei ähnlichem Risiko. Während die Überschussrendite von Jahr zu Jahr variierte, blieb die Richtung stabil. Die Hälfte der annualisierten Outperformance von 2,4 Prozent war auf die Auswahl der Unternehmen zurückzuführen, die analysiert wurden. Die andere Hälfte war das Ergebnis der eigenen ESG-Analysen. Die COVID-19-Pandemie, wie auch die Finanzkrise von 2008, unterstreichen die Bedeutung eines verantwortlichen Finanzsystems: Nämlich langfristig in nachhaltige Unternehmen zu investieren, die Verantwortung für die ökologischen und sozialen Auswirkungen ihres Handelns übernehmen – und zwar ohne Nachteile für Anleger.

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