Europas Impact-Szene fordert Kurswechsel für Sozialwirtschaft
Führende Vertreter der europäischen Impact- und Sozialunternehmensszene haben zu einem grundlegenden Umdenken in der Weiterentwicklung der Sozialwirtschaft aufgerufen. Auf dem Euclid Network Impact Summit 2026 in Amsterdam kritisierten sie insbesondere die aus ihrer Sicht übermäßige Fokussierung auf Definitionen und Wirkungsmessung.
Die Sozialunternehmerin Jeroo Billimoria mahnte, die anhaltenden Debatten über Begriffe wie „soziale Wirtschaft“ oder „Social Enterprise“ seien wenig zielführend. Viele Menschen in Europa verstünden diese Konzepte nicht, sagte sie. Stattdessen müsse die Branche stärker auf konkrete Wirkung und gesellschaftliche Verankerung setzen.
Für Kontroversen sorgte auch der Chefökonom der Triodos Bank, Hans Stegeman. Er forderte, die Bedeutung der Wirkungsmessung deutlich zu relativieren. Transparenz sei zwar wichtig, lenke aber häufig von den eigentlichen strukturellen Herausforderungen ab. Entscheidend seien Eigentumsverhältnisse, Governance und Machtstrukturen in der Wirtschaft.
Stegeman bezeichnete Sozialunternehmen als mögliches Modell für eine künftige Wirtschaftsordnung. Angesichts globaler Krisen könne die Sozialwirtschaft an Bedeutung gewinnen. Voraussetzung sei jedoch ein grundlegender Umbau des wachstumsabhängigen Wirtschaftssystems, das bislang stark auf Kennzahlen wie das Bruttoinlandsprodukt ausgerichtet ist.
Zur Vorsicht bei überzogenen Erwartungen rief Daniel Nowack von der World Economic Forum auf. Viele Sozialunternehmen stünden derzeit unter erheblichem finanziellen und politischen Druck. Zugleich widersprach er der verbreiteten Annahme, große Unternehmen zögen sich aus Nachhaltigkeitsinitiativen zurück. Häufig würden entsprechende Aktivitäten lediglich weniger öffentlich kommuniziert.
Nowack sprach von einem „Winter der Transformation“, in dem sich die Branche konsolidieren und auf künftiges Wachstum vorbereiten könne. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen bleibe soziale Innovation ein zentrales Thema auf der internationalen Agenda. (DFPA/abg)
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