Fintechs treiben Wandel im Private-Market-Geschäft
Die Tokenisierung von Vermögenswerten entwickelt sich zu einem der dynamischsten Trends im Private-Market-Sektor. Immer mehr Fondshäuser setzen auf Krypto-Start-ups und digitale Plattformen, um neue Anlegergruppen zu erreichen und Prozesse zu modernisieren, analysiert Alexander Davis vom US-amerikanisches Finanzdaten- und Analyseunternehmen PitchBook.
Branchenführer wie BlackRock, Hamilton Lane und Apollo unterstützen die Entwicklung – doch trotz des Booms bleiben Fragen zur tatsächlichen Effizienz offen. Die Umwandlung traditioneller Vermögenswerte in digitale Token auf der Blockchain hat sich in kurzer Zeit zu einem Milliardenmarkt entwickelt. Laut RWA.xyz belaufen sich tokenisierte Private-Market-Assets inzwischen auf rund 3 Milliarden US-Dollar – zehnmal so viel wie im Vorjahr. Token ermöglichen eine standardisierte, digitale Abbildung von Fondsanteilen oder Wertpapieren und sollen Handel, Verwaltung und Abwicklung effizienter machen. Befürworter wie BlackRock-Chef Larry Fink oder Ex-SEC-Kommissar Paul Atkins sprechen von einem technologischen Meilenstein für die Modernisierung der Finanzindustrie.
Zu den wichtigsten Treibern gehört Hamilton Lane, das inzwischen acht Fonds über Token-Strukturen anbietet und Mindestanlagesummen auf bis zu 500 US-Dollar reduziert hat. „Tokenisierte Fonds erweitern den Zugang zu privaten Märkten deutlich“, sagt Victor Jung, Digital-Asset-Chef des 986-Milliarden-Managers. Die vereinfachte Struktur und geringere Einstiegshürden sollen vor allem neue Privatanlegersegmente erschließen.
Einen Höhepunkt des laufenden Tokenisierungsbooms markiert der geplante Börsengang von Securitize, dem marktgrößten Tokenisierungsdienstleister. Das Unternehmen soll über eine SPAC-Fusion mit 1,25 Milliarden US-Dollar bewertet werden. Securitize verwaltet derzeit mehr als 4,6 Milliarden US-Dollar in tokenisierten Vermögenswerten, arbeitet mit Größen wie BlackRock, KKR, VanEck und Apollo zusammen und hat über 130 Token emittiert. Zu den Wettbewerbern zählen Plattformen wie Centrifuge, Ondo, KAIO und Superstate.
Auch andere Anbieter drängen an die Börse, darunter Circle, Gemini und Bullish. Franklin Templeton verwaltet mit seinem OnChain-Government-Money-Fund bereits 718 Millionen US-Dollar. Der Fintech-Pionier Figure, spezialisiert auf tokenisierte Kredite, ging im September mit 6,6 Milliarden US-Dollar Bewertung an den Markt.
Der Markt wird zusätzlich durch die rapide Verbreitung von Stablecoins angetrieben, die seit dem US-Genius-Act über klare regulatorische Leitplanken verfügen. „Stablecoins sind der Einstiegspunkt – wer sie nutzt, fragt schnell: Was kommt als Nächstes?“, sagt Johnny Reinsch von der Tokenized Asset Coalition.
Trotz des starken Wachstums bleibt die Branche jedoch in der Erprobungsphase. Kritiker bemängeln, Programmierbarkeit und Kostenvorteile seien bislang teils überschätzt. Befürworter wie Securitize-Chef Carlos Domingo sehen dennoch einen historischen Wandel: Tokenisierung schaffe „ein moderneres, zugänglicheres und dynamischeres Private-Market-Ökosystem“, das langfristig auch dem traditionellen Finanzsektor zugutekommen werde. (DFPA/abg)
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