Passive ETFs bleiben dominant – Branche setzt trotz Aktivboom auf Innovation
Trotz des anhaltenden Booms aktiv gemanagter ETFs bleibt der Markt für passive Indexfonds weltweit auf Wachstumskurs. Während aktive ETFs in den ersten drei Quartalen 2025 so viele Mittelzuflüsse verzeichneten wie nie zuvor, flossen nach Daten von Bloomberg und Morningstar weiterhin rund 64 Prozent aller ETF-Gelder in passive Strategien.
Laut Recherchen von Remy Samuels, ETF Reporterin beim US-Informationsportal „Pension & Invetsments“, sammelten passive Aktien- und Renten-ETFs seit Jahresbeginn rund 648 Milliarden US-Dollar ein, aktive Produkte dagegen 338 Milliarden. Insgesamt erreichten global intern verwaltete Indexprodukte in ETFs/ETNs zur Jahresmitte 11,6 Billionen US-Dollar – ein Plus von knapp 24 Prozent binnen eines Jahres, wie die Branchenumfrage von P&I zeigt. Die größten Anbieter bleiben BlackRock (4,7 Billionen Dollar), Vanguard (3,3 Billionen) und State Street (1,7 Billionen).
Anna Paglia, Executive Vice President bei State Street Investment Management, sieht die Innovationskraft passiver Strategien ungebrochen. Zwar stelle ihr die Branche häufig die Frage, ob der Indexraum zu eng geworden sei – Paglia betont jedoch, dass „nichts wirklich passiv“ sei: Hinter jeder Indexkonstruktion stehe ein aktiver Entwicklungsprozess. Die Evolution reiche von einfachen marktgewichteten Benchmarks über Smart-Beta-Indizes bis hin zu trendgetriebenen Konstruktionen, die Derivate, Faktorstrategien oder neue Themen wie Krypto abbilden.
Besonders dynamisch entwickelt sich laut Paglia das Segment digitaler Assets. Neue Multi-Krypto-Indizes, wie sie etwa S&P Dow Jones Indices und FTSE Russell planen oder bereits anbieten, sollen künftig stärker als „bloße Bitcoin-Geschichten“ dienen. Auch thematische aktive ETFs wie State Streets SPDR Galaxy Hedged Digital Asset Ecosystem ETF (HECO) würden die Nachfrage nach Blockchain-Exposures bedienen.
Zugleich versuchen große Vermögensverwalter, private-equity-ähnliche Renditeprofile in liquide Index-ETFs zu übertragen. Goldman Sachs Asset Management startete im Oktober den Goldman Sachs MSCI World Private Equity Return Tracker ETF (GTPE), der mithilfe proprietärer MSCI-Daten Renditetreiber privater Beteiligungen identifizieren und über börsennotierte Aktien abbilden soll. Laut GSAM-ETF-Chef Brendan McCarthy könne ein solcher Index zu einem neuen Benchmark für institutionelle Anleger werden.
In der Branche gilt jedoch die Frage der Liquidität als zentral. Während State Street mit Indexanbietern an „investierbaren“ privaten Marktindizes arbeitet, betonen Experten wie Dave Abner (Northern Trust), dass ETF-Strukturen illiquide Basiswerte nicht beliebig liquide machen können. Andere bleiben skeptisch, ob Anleger solche Replikationsstrategien annehmen werden.
Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach stärkerer Index-Personalisierung. Ex-China-Indizes gewinnen angesichts geopolitischer Spannungen an Bedeutung. Vanguard hat erst jüngst einen Emerging-Markets-ex-China-ETF aufgelegt. Marktbeobachter wie Ben Slavin (BNY Mellon) erwarten, dass Indexanbieter verstärkt innovieren müssen, da aktive Produkte schneller und einfacher zugelassen werden und damit stärker konkurrieren.
Trotz des Wettbewerbs hält Morningstar-Analyst Bryan Armour fest, dass passive ETFs ein „gut zugängliches Werkzeug“ bleiben – insbesondere, wenn institutionelle Anleger liquide Ergänzungen zu illiquiden privaten Marktengagements suchen. (DFPA/abg)
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