Wahl nachhaltiger Investmentfonds: Worauf Anleger achten sollten

Immer mehr Investoren berücksichtigen Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungskriterien (englisch ESG für Environmental, Social, Governance) im Investmentprozess schreibt Karsten Kührlings, Leiter Investmentfonds und Research der GLS Bank in EXXECNEWS 11/2019. Das Angebot an Fonds mit nachhaltigen Anlagestrategien wächst. Doch bereits heute haben viele Anleger Schwierigkeiten, die sozial-ökologische Qualität von sogenannten SRI (Socially Responsible Investment)-Fonds richtig einzuschätzen.

Was macht einen strengen Nachhaltigkeitsfonds überhaupt aus? So schwer diese Frage zu beantworten sei, gebe es doch ein paar Hilfsmittel, wie Anleger schnell einen ersten Eindruck darüber erhalten, meint Kührlings.

Es gibt unterschiedliche Motivationen für die Auflage von Nachhaltigkeitsfonds. Manche Asset Manager schielen auf die Fondseinnahmen, andere wollen eine Reputation als verantwortliches Haus aufbauen. Für eine dritte Gruppe wie Alternativbanken zählt Nachhaltigkeit zum Kerngeschäft. Sie wollen einen Fonds, der ihren Werten entspricht. Je stärker ethische Werte das Kerngeschäft prägen, umso strenger und glaubwürdiger ist in der Regel der Anbieter.

Anleger können dies überprüfen. Viele Fondsanbieter veröffentlichen ihre Anlagekriterien im Internet. Es lässt sich darin nachlesen, ob kontroverse Geschäftsfelder (zum Beispiel Atomkraft, Kohle, Massentierhaltung, Gentechnik) ebenso wie -praktiken (Korruption, Kinderarbeit, Umweltzerstörung, etc.) Tabu sind. Auf die Details ist zu achten: Gelten die Regeln nur für eine Gruppe an Fonds oder für das gesamte Wertpapiergeschäft? Darf ein kleiner Umsatzanteil doch in kontroversen Aktivitäten erwirtschaftet werden oder gilt die Nulltoleranz? Häufig werden hier Unterschiede gemacht. Das Forum Nachhaltige Geldanlagen ermöglicht zum Beispiel mit der FNG-Matrix sowie dem Eurosif-Transparenzkodex einen schnellen Fondsvergleich.

Aber nur kritische Unternehmen auszuschließen, greift zu kurz. Ebenso sollten Anleger darauf achten, in welche Themenfelder Fonds konkret investieren. Handelt es sich dabei um Akteure in zukunftsweisenden Branchen, zum Beispiel nachhaltige Mobilitätsdienstleister oder Erneuerbare-Energien-Betreiber? Oder befinden sich beispielsweise auch Öl- und Kohlekonzerne im Portfolio, deren ökologischer Mehrwert sich auf ein branchenweit überdurchschnittliches gutes Umweltmanagementsystem beschränkt? Ein Blick auf die Portfoliozusammensetzung (Factsheet, Finanzberichte) gibt eine erste Orientierung.

Anleger sollten sich bewusst sein, dass es trotz anspruchsvoller Anlagekriterien knifflige Fälle gibt. Multinationale Konzerne haben diverse Geschäftsfelder und sind weltweit tätig. Bei manchen Sachverhalten ist es schwierig, eindeutige Schlussfolgerungen zu treffen. In welchem Maße ist ein Industrieunternehmen, das Schlüsselkomponenten für Elektroautos herstellt und im Verdacht steht, Arbeitsrechte in der Zuliefererkette zu verletzten, investierungswürdig? Wie ist mit Unternehmen umzugehen, deren Produkte unter Umständen auch in militärischen Geräten verbaut werden können? Anleger sollten fragen, wie kritisch ein Anbieter genau mit diesen Fällen umgeht. Standard ist, das Nachhaltigkeitsrating spezialisierter ESG-Agenturen zu beachten, das eine gute erste Faktenlage liefert. Weitergehend können interne ESG-Analysten anhand dieser Daten und eigener Recherchen den Sachverhalt bereichern und um eine eigene ausgewogene Einschätzung ergänzen. Noch umfassender ist die abschließende Diskussion und Bewertung der Fragen in einem unabhängigen Expertengremium. Dieses Verfahren ermöglicht eine umfassende Einschätzung, ob eine Investition den eigenen Anlagegrundsätzen gerecht wird oder nicht. Externe Bewertungen unabhängiger Institutionen, beispielsweise des Fair Finance Guide, zeigen dann, ob das Bewertungsverfahren funktioniert oder nicht.

Anleger sollten die sozial-ökologische Qualität des Portfolios nachvollziehen können. Sie müssen verstehen, ob die Kriterien auch tatsächlich eingehalten werden. Dafür sollten sie ein leicht verständliches Reporting von Fondsanbietern verlangen. Hier zeigt sich, dass es am Markt bisher noch die größten Defizite gibt. Fehlende Berichtsstandards führen dazu, dass viele Fonds sich auf Finanzkennzahlen beschränken oder die erhobenen Umwelt- und Sozialindikatoren schwer zu interpretieren sind. Um zu beweisen, dass Fondsanbieter ihren Worten auch Taten folgen lassen, sollten sie in leicht verständlicher Art und Weise die Qualität ihrer Portfoliotitel aus sozial-ökologischer Sicht darstellen, sei es durch Kurzbeschreibung der Wertpapiere oder eingängige Graphiken.

Wenn Anleger zufriedenstellende Antworten auf diese Fragen erhalten, haben sie schon einen großen Schritt bei der Auswahl eines strengen sozial-ökologischen Fonds gemacht.

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