Die zunehmenden Risiken für den globalen Öltransport könnten nach Einschätzung von Analysten neue Investitionschancen für Private-Equity- und Infrastrukturfonds schaffen. Hintergrund sind geopolitische Spannungen an wichtigen Schifffahrtsrouten, die den Ausbau alternativer Transportwege und höhere Investitionen in die Ölinfrastruktur erforderlich machen.
Nach einer Analyse des Finanzdatenanbieters PitchBook sind derzeit mehr als 30 Prozent der weltweiten Ölströme von Blockaden oder erheblichen Störungen bedroht. Auslöser seien unter anderem die anhaltende Sperrung der Straße von Hormus, die Folgen des Ukraine-Kriegs für die türkischen Meerengen sowie die jüngste Eskalation im Roten Meer. Dort hatten Angriffe auf saudi-arabische Öltanker den Ölpreis der Sorte Brent zeitweise wieder über die Marke von 100 US-Dollar je Barrel steigen lassen.
Vor diesem Hintergrund treiben mehrere Staaten am Persischen Golf den Ausbau alternativer Exportwege voran. Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen ihre Pipeline nach Fujairah bis 2027 erweitern, um Exporte außerhalb der Straße von Hormus zu ermöglichen. Auch der Irak plant eine neue Pipelineverbindung mit einer Kapazität von 2,5 Millionen Barrel pro Tag. Weitere Projekte sollen bis 2028 einen größeren Teil der Ölausfuhren von den geopolitisch sensiblen Seewegen unabhängig machen.
PitchBook sieht darin ein attraktives Betätigungsfeld für Private-Equity- und Infrastrukturfonds. Zwar blieben die großen Ölkonzerne die wichtigsten Investoren, ihre Ausgabendisziplin begrenze jedoch den finanziellen Spielraum. Dadurch entstehe eine Finanzierungslücke, die alternative Kapitalgeber schließen könnten. Als Beispiele nennen die Analysten die Beteiligung von Finanzinvestoren an der kuwaitischen Pipelineinfrastruktur sowie Pläne von Chevron und Partnern zum Ausbau eines Pipeline-Netzes im Irak und in Syrien.
Gleichzeitig steigt das Ölangebot außerhalb des Nahen Ostens. Rekordfördermengen meldeten zuletzt unter anderem die USA, Brasilien, Kanada, Argentinien und Venezuela. Dennoch gehen die Analysten davon aus, dass die weltweiten Lagerbestände wegen der hohen Nachfrage weiter sinken werden. Um die Versorgungssicherheit langfristig zu gewährleisten, seien in der weltweiten Öl- und Gasförderung in den kommenden zehn Jahren Investitionen erforderlich, die um 25 bis 30 Prozent über dem Niveau des vergangenen Jahrzehnts liegen. Davon könnten nach Einschätzung von PitchBook insbesondere Private-Equity-Investoren profitieren. (DFPA/abg)
PitchBook ist ein US-amerikanisches Finanzdaten- und Analyseunternehmen, das sich auf Private Equity, Venture Capital, Mergers & Acquisitions (M&A) und andere Bereiche der privaten Kapitalmärkte spezialisiert hat. Das Unternehmen wurde 2007 gegründet und gehört seit 2016 zur Morningstar Inc., einem großen Anbieter von Finanzinformationen und Investmentanalysen.