Probleme im Direct-Lending-Sektor, dem zwei Billionen US-Dollar schweren Teilmarkt des breiteren Private-Credit-Marktes, beunruhigen Investoren an den öffentlichen Märkten. Duncan Lamont, Head of Strategic Research, Global Economics bei Schroders, sieht darin aber kein systemisches Risiko.
Private-Credit-Fonds haben in der Vergangenheit gerne Kredite an Softwareunternehmen vergeben. Viele Fonds sammelten zudem erhebliche Geldmittel von institutionellen Anlegern wie Versicherungsgesellschaften und, in manchen Strukturen, von Privatanlegern ein. Diesen stetig wachsenden Kapitalzufluss mussten sie rasch investieren. Einige der größeren Private-Credit-Fonds konten infolgedessen bis zu 40 Prozent in dem Sektor investiert sein, während die Quote im Durchschnitt bei ungefähr 20 Prozent liegen dürfte.
Dies war alles in Ordnung, bis künstliche Intelligenz (KI) in diesem Jahr Bedenken hinsichtlich der Beständigkeit der künftigen Cashflows vieler Softwareunternehmen aufwarf. Das führte zu Fragen über die Qualität der Vermögenswerte in diesen Fonds.
Während traditionelle Private-Credit-Fonds geschlossen sind und eine festgelegte Laufzeit besitzen, legen viele Vermögensverwalter auch Fonds auf, die mehr Liquidität bieten. Business Development Companies (BDCs) in den USA sind die bekanntesten. Einige davon sind an der Börse notiert. Teilweise aufgrund der Bedenken rund um den Softwaresektor sind diese Aktienkurse auf Abschläge von 15 bis 20 Prozent gegenüber dem ausgewiesenen Nettoinventarwert (NAV) der Fonds gefallen.
Es ist leicht, das Potenzial für Probleme zu erkennen. Anleger können den Antrag stellen, ihr Geld zum NAV aus dem nicht gehandelten Fonds abzuziehen, was zu einem völlig vorhersehbaren Ergebnis führt: massenhafte Rücknahmeanträge und ein „Gating” der Rücknahmen bei den nicht gehandelten Fonds. Dieses Gating, bei dem Anlegern mitgeteilt wird, dass sie bis zu einem künftigen Quartal warten müssen, um ihr Geld zurückzuerhalten, ist ein Konstruktionsmerkmal dieser Fondsstrukturen, kein Fehler. Es bedeutet nicht, dass die Kredite in diesen Fonds Verluste erleiden, lediglich, dass es eine zu große gleichzeitige Nachfrage von Verkäufern gibt.
Ohne Gating wären die Fonds gezwungen, Vermögenswerte schnell zu verkaufen, um Geld für die Deckung der Rücknahmen zu beschaffen. Wer versuchte, sein Haus innerhalb einer Woche zu verkaufen, würde einen schlechteren Preis erzielen als bei einem geordneten Verkaufsprozess. Das gleiche Prinzip gilt hier.
Die systemischen Risiken durch Private Credit sind gering. Die direkte und indirekte Exponierung der öffentlichen Märkte ist ebenfalls gering, und die bestehende Exponierung ist von höherer Qualität als im Private-Credit-Bereich. Es ist kein systemisches Problem für die öffentlichen Märkte – wenngleich es ein bedeutsames Stressereignis innerhalb der privaten Märkte selbst darstellt. (DFPA/ljh)
Schroders ist eine im Jahr 1804 gegründete globale Fondsgesellschaft mit einem verwalteten Vermögen von 943,4 Milliarden Euro (823,7 Milliarden Pfund / 1.107,9 Milliarden US-Dollar) per 31. Dezember 2025. Als börsennotiertes FTSE100-Unternehmen im Vereinigten Königreich hat Schroders eine Marktkapitalisierung von rund 6,5 Milliarden Pfund.
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