Der KI-orientierte Hedgefonds Situational Awareness des deutschen Ex-OpenAI-Forschers Leopold Aschenbrenner hat nach massiven Kursverlusten und einem Margin Call den Großteil seines börsennotierten Portfolios verkauft. Die Positionen gingen überwiegend an den US-Hedgefonds Citadel. Der Fall gilt als eines der bislang spektakulärsten Beispiele für die Risiken hoch gehebelter KI-Investments.
Der von Aschenbrenner Ende 2024 gegründete Fonds war innerhalb von weniger als zwei Jahren von rund 225 Millionen US-Dollar auf mehr als 20 Milliarden US-Dollar verwaltetes Vermögen angewachsen und zählte zeitweise zu den am schnellsten wachsenden Hedgefonds weltweit. Nach Medienberichten lag das Brutto-Exposure aufgrund des hohen Fremdkapitaleinsatzes zeitweise sogar bei bis zu 45 Milliarden US-Dollar.
Die Investmentstrategie setzte auf Unternehmen, die vom Ausbau der KI-Infrastruktur profitieren sollten. Zu den größten Beteiligungen gehörten unter anderem SK Hynix, Micron, Sandisk, Nebius Group, CoreWeave und Bloom Energy. Gleichzeitig spekulierte der Fonds über Leerverkäufe auf fallende Kurse von Softwareunternehmen wie Adobe. Als zahlreiche KI-Infrastrukturwerte im Juli deutlich nachgaben und sich Softwaretitel gleichzeitig erholten, geriet das Portfolio doppelt unter Druck.
Die Kursverluste lösten Margin Calls der finanzierenden Banken aus. Um zusätzliche Sicherheiten zu stellen, musste Situational Awareness den Großteil seiner börsennotierten Beteiligungen veräußern. Den überwiegenden Teil des Portfolios übernahm Citadel von Ken Griffin, nachdem auch andere Hedgefonds Interesse bekundet hatten. Private Beteiligungen – darunter eine als besonders wertvoll geltende Beteiligung am KI-Unternehmen Anthropic – verblieben dagegen im Fonds.
Aschenbrenner erklärte in einem offenen Brief, der Fonds werde trotz der Verluste nicht liquidiert und das Management bleibe investiert. Nach Angaben mehrerer Medien verlor der Fonds allein im Juli rund 67 Prozent seines Wertes, lag seit Jahresbeginn aber weiterhin etwa 80 Prozent im Plus. Marktbeobachter sehen den Fall als Warnsignal für die Risiken konzentrierter und stark fremdfinanzierter Wetten auf den KI-Sektor, betonen jedoch zugleich, dass bislang keine Anzeichen für eine systemische Krise im Hedgefondsmarkt bestehen. (DFPA/abg)
Informationen finden Sie u.a. hier: The Wall Street Journal, FN London, Handelsblatt; ad-hoc-news