Private-Equity-Investoren müssen ihre Renditen nach Einschätzung von HarbourVest Partners zunehmend durch konkrete Verbesserungen in den Beteiligungsunternehmen erwirtschaften. Höhere Finanzierungskosten und Einstiegspreise sowie niedrigere Leverage-Niveaus hätten die Bedeutung von Financial Engineering verringert, heißt es im „2026 Mid-Year Private Markets Outlook“.
Eine illustrative Modellrechnung verdeutlicht den Wandel: Bei einem jährlichen EBITDA-Wachstum von fünf Prozent hätte ein Unternehmen unter den Marktbedingungen von 2016 laut HarbourVest einen Multiple on Invested Capital (MOIC) von rund 2,5 und eine interne Verzinsung (IRR) von etwa 20 Prozent erreichen können. Unter den heutigen Bedingungen ergäben sich bei gleicher operativer Entwicklung dagegen nur rund 1,7x MOIC und zwölf Prozent IRR.
Um im Modell erneut einen MOIC von 2,5x zu erzielen, müsste das EBITDA heute demnach jährlich um rund zwölf Prozent wachsen. Zusätzlich wäre eine deutliche Verbesserung der Gewinnmargen erforderlich. Die Modellrechnung basiert den Angaben zufolge auf veröffentlichten Annahmen von Bain und wurde von HarbourVest rekonstruiert. Da Bain das zugrunde liegende Modell nicht veröffentlicht habe, seien einzelne Kennzahlen abgeleitet oder impliziert.
Operative Umsetzung wird wichtiger
Für Investoren werde daher entscheidender, ob ein Manager operative Wertschöpfung tatsächlich umsetzen könne. Dazu gehörten unter anderem eigene operative Ressourcen, die direkt mit den Portfoliounternehmen arbeiteten, klar definierte Wertschöpfungspläne sowie messbare Kennzahlen bereits vor dem Abschluss einer Transaktion.
Darüber hinaus sollten Manager nachweisbare Erfahrungen mit vergleichbaren Strategien innerhalb eines Sektors vorweisen können. Die Fähigkeit, Wachstum zu beschleunigen, Margen zu verbessern und organisatorische Veränderungen umzusetzen, werde damit zu einem wesentlichen Auswahlkriterium.
Europa könnte von dieser Entwicklung besonders profitieren. Die Deal-Aktivität habe sich dort im zweiten Quartal 2026 vergleichsweise stabil entwickelt, während sie in den USA deutlich zurückgegangen sei. Als mögliche Gründe nennt HarbourVest niedrigere Einstiegspreise, fragmentierte Märkte und ein größeres Potenzial für operative Verbesserungen.
Die Fragmentierung europäischer Märkte könne erfahrenen Managern zusätzliche Chancen bieten, etwa durch Spezialisierung, Digitalisierung und eine effizientere operative Steuerung. Gegenüber Volatilität sei Europa jedoch nicht immun. Der Markt zeige vielmehr, dass die Qualität einzelner Unternehmen und Manager an Bedeutung gewinne, wenn allgemeine Markteffekte weniger zur Rendite beitrügen. (DFPA/abg)
Den vollständigen 2026 Mid-Year Private Markets Outlook finden Sie hier.
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