
Wenn der Chef des größten Vermögensverwalters der Welt das Standarddepot neu definiert, sollte der freie Vertrieb hinhören. Larry Fink hat im BlackRock-Annual-Letter 2025 das klassische 60/40-Portfolio angesichts der Entwicklung der Kapitalmärkte für überholt erklärt. Er sieht stattdessen künftig eine 50/30/20-Struktur: 50 Prozent Aktien, 30 Prozent Anleihen, 20 Prozent Private Assets.
Sein entscheidender Satz: Der Finanzmarkt sei für diese 50/30/20-Welt aber bisher noch nicht vorbereitet. Er sei geteilt zwischen den klassischen Aktien- und Renten-Asset Managern (50/30) und spezialisierten Private Market-Anbietern. Die Brücke zwischen den 50/30 und den 20 fehle. Genau hier liegt die Aufgabe für Anbieter und Plattformen – und die Chance für die freien Vermittler.
Private Markets in neuer Hülle
Private Markets-Produkte als Anlageform abseits der Börsen waren als Diversifikationsinstrument vor allem im Niedrigzinsumfeld gesucht. Durch Investitionen in Real Assets, Private Debt oder Infrastruktur können Illiquiditätsprämien und stetige Cashflows vereinnahmt werden. Das macht Private Markets vor allem für institutionelle Anleger als Inflationshedge attraktiv. Im Umkehrschluss sind sie weniger liquide als börsengehandelte Instrumente. Produkthüllen wie UCI Part II oder RAIF unterlagen deshalb einer strengeren Regulierung oder richteten sich von vornherein nur an qualifizierte Anleger. Mit der Überarbeitung der ELTIF-Verordnung und dem ELTIF 2.0 hat die Aufsicht eine Produkthülle geschaffen, die Private Markets Retail-Investoren zugänglich macht. Die Nachfrage hat sich zuletzt in Richtung ELTIF verlagert, da er als regulierte fondsähnliche Hülle Anforderungen von Aufsicht und Anlegern besser trifft als herkömmliche Produkte. Die Zahlen aus der aktuellen Scope-Studie sprechen eine eindeutige Sprache:
Ende 2025 existieren 268 ELTIFs von 129 Asset Managern, Ende 2022 waren es 77. Allein 2025 gab es 113 Neuauflagen, fast doppelt so viele wie im Rekordjahr 2024 (55). Das Volumen liegt bei 34,0 Milliarden Euro, ein Plus von 55 Prozent gegenüber 2024 (20,5 Milliarden Euro. Damit ist der ELTIF kein Randsegment mehr.
Publikums-AIF-Markt stark rückläufig
Während die Nachfrage nach ELTIFs angezogen hat, schrumpft der Publikums-AIF-Markt dramatisch. Das platzierte Eigenkapital lag 2025 bei 438 Millionen Euro, ein Minus von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr und nur noch rund ein Dreißigstel des Volumens, das Publikums-AIFs vor 20 Jahren platzieren konnten (12,66 Milliarden Euro). Insgesamt gab es 2025 nur zehn neue Publikums-AIF mit BaFin-Zulassung (2024: 20) und das waren allesamt geschlossene Immobilienfonds. Die rückläufige Entwicklung führt Scope ausdrücklich auf das wachsende ELTIF-Angebot zurück. Die flexiblen Anbieter sind bereits dabei, ihr Geschäftsmodell umzustellen. Häuser wie hep solar, Patrizia, MPE oder HMW haben 2025 ELTIFs statt oder zusätzlich zu Publikums-AIF aufgelegt.
Ausschlaggebend für die Verschiebung dürften nicht zuletzt strukturelle Gründe sein. Bislang konnten von rund 41.000 Finanzanlagenvermittlern mit 34f-Erlaubnis rund 33.000 Vermittler mangels entsprechender Zulassung keine illiquiden Strategien anbieten. Der ELTIF öffnet ihnen erstmals den Zugang zu Private Assets in einer Struktur, die sie aus der Arbeit mit Publikumsfonds kennen und die darüber hinaus besser zur heutigen Kundenerwartung passt als starre Laufzeiten.
Evergreen-Strukturen und semi-liquide Private-Markets-Vehikel verbinden lange Anlagehorizonte, die für Infrastruktur, Immobilien oder Private Credit nötig sind, mit einem Maß an Beweglichkeit, das zur Lebensphase der Anleger passt. ELTIF 2.0 bildet dafür den regulatorischen Rahmen.
Damit ist klar: Wer als Vermittler ausschließlich auf klassische Publikums-AIF setzt, operiert in einem rückläufigen Markt.
Neue Vertriebskanäle: Private Markets sind bereits bei den Endkunden angekommen
Dabei sind Private Markets längst im Endkundengeschäft angekommen:
• Trade Republic hat 2025 mit zwei Private-Equity-ELTIFs (Apollo, EQT) rund 500 Millionen. Euro platziert – das ist mehr als der gesamte deutsche Publikums-AIF-Markt im selben Zeitraum.
• Der klimaVest bleibt mit 1,6 Milliarden Euro der größte einzelne ELTIF, sein Anteil am deutschen ELTIF-Volumen sinkt aber von 51 auf 37 Prozent. Der Markt wird breiter und vielfältiger.
Die Frage ist also nicht mehr, ob Private Assets in die Depots der Kunden finden, sondern über welchen Kanal und welche Infrastruktur.
Für Produktanbieter und Anleger gibt es gleichermaßen gute Gründe, auf freie Vermittler zu setzen. Denn während institutionelle Anleger vertriebsseitig zunehmend gut abgedeckt sind, steckt Wachstumspotenzial nicht zuletzt bei vermögenden Privatanlegern, Unternehmerfamilien oder gutverdienenden Angestellten. Diese Zielgruppen wollen, gerade bei illiquiden Anlagen, jemanden, der ihre Situation genau kennt und nicht nur ihre Email-Adresse– und das sind die freien Vermittler. Anleger wiederum sind gut beraten, eine qualifizierte Anlageberatung in Anspruch zu nehmen. Denn wie bei allen Produkten, so gibt es auch bei Private Market Produkten Schattenseiten. So konnten im Private-Credit-Bereich Ende 2025 mehrere Fonds Rückgaben nicht vollständig bedienen, Scope warnt vor Reputationsrisiken durch unerfahrene Anbieter ohne Track Record.
Andere Spielregeln bei Private Markets
Es wäre deshalb fahrlässig, Private Markets wie ein weiteres „Produktregal“ zu behandeln. Die Spielregeln sind deutlich andere:
• Der Anlagehorizont ist in der Regel deutlich länger als bei klassischen Publikumsfonds
• Die Strukturen sind komplexer: Blind-Pools, Projektfinanzierungen, Nachrangdarlehen, Cashflow-Profile – das lässt sich nicht mit zwei Charts und einem Renditedreieck abhandeln.
• Die Eignungs- und Angemessenheitsprüfung ist heikel. Passt das Produkt wirklich zum Risikoprofil, zur Vermögensstruktur, zu den Zielen des Kunden?
• Die Dokumentation ist umfangreich: Prospekt, Produktinformationen, Zeichnungsscheine, Beratungsprotokolle, Zielmarkt
Diese Komplexität schreckt ab. Aber sie ist die Grundlage für die Renditechancen alternativer Investments und ein wichtiges Argument, warum Beratung zum echten Mehrwert wird – und damit zum Alleinstellungsmerkmal freier Vermittler gegenüber Brokern.
Unterstützung finden Vermittler bei Plattformen wie portagon. Sie bieten Zugang zu Private-Markets-Produkten, die für den Retail- und semi-professionellen Bereich ausgelegt sind, wie etwa ELTIFs, Sachwert- und Infrastrukturstrategien und Evergreens. Angeschlossene Vermittler haben Zugriff auf eine digitale Zeichnungs- und Abwicklungsstrecke, die KYC, Geeignetheitsprüfung, Beratungsdokumentation und Depoteinbuchung integriert und die eine revisionssichere Dokumentation ermöglicht. Dabei lässt sich die Infrastruktur nahtlos in bestehende Vertriebs- und IT-Strukturen einbinden. Viele Häuser nutzen portagon im White-Label, der Kunde sieht nur die Marke „seines“ Vermittlers, im Hintergrund laufen die Prozesse standardisiert. Schulungen und Materialien, die Vermittler in die Lage versetzen, Illiquidität, Risikoprofil und Rolle von Private Assets im Gesamtvermögen verständlich zu erläutern, runden das Angebot ab.
Das Ziel ist einfach: Private Markets sollen im täglichen Geschäft beherrschbar werden, statt Sonderfall zu bleiben.
Fazit: Freie Vermittler, die das Allfinanz-Konzept leben, können auf Private Markets in der Beratung nicht verzichten, wenn sie sich künftig gegenüber Banken und Brokern behaupten wollen. Wer jetzt beginnt, ELTIFs, Evergreens und andere passende Strukturen kontrolliert in seine Beratung einzubauen und sich technisch sauber aufzustellen, sichert sich einen Platz in der 50/30/20-Welt.
Jamal El Mallouki ist Geschäftsführer und Mitgründer der portagon GmbH, portagon ist die Distributionsplattform für alternative Investments im privaten Kapitalmarkt. Auf der portagon-Plattform werden 650 Millionen Euro verwahrt (Assets und Administration).
Der Beitrag ist zuerst in EXXECNEWS Ausgabe 15/2026 erschienen.