Derzeit besteht eine Überschuldungskrise im indischen Mikrofinanzsektor und eine internationale Debatte über die Risiken kommerzieller Mikrokredite. [nbsp]Vor diesem Hintergrund hat der Verein Facing Finance ein Briefing Paper für institutionelle Investoren veröffentlicht. Es zeigt auf, wie diese ihre Einflussmöglichkeiten gegenüber Anbietern von Mikrofinanzinvestitionen nutzen können, um wirksame Maßnahmen zur Prävention und Minderung von Überschuldungsrisiken einzufordern – im Einklang mit den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte (UNGP).
Das Briefing empfiehlt unter anderem, dass die Anlagerichtlinien von Mikrofinanzfonds und anderen Investmentanbietern die systematische Berücksichtigung von Marktsättigungsrisiken, Obergrenzen für effektive Jahreszinsen, Schutzmechanismen für Kreditnehmer*innen in Überschuldungs- und Notlagen sowie verbindlichere Anforderungen an die Kreditwürdigkeitsprüfung vorsehen. Ziel ist es, das „Do No Harm“-Prinzip der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte konsequenter auf Investitionen im Mikrofinanzsektor anzuwenden.
Das Paper verschiebt die Debatte von der Frage, ob kommerzielle Mikrokredite grundsätzlich „funktionieren“, hin zu der Frage, unter welchen Bedingungen sie mit menschenrechtlicher Sorgfalt und dem „Do No Harm“-Prinzip vereinbar sind.
Frederike Potts, Geschäftsführerin von Facing Finance, erklärt: „Die Bereitstellung von Mikrokrediten wird weiterhin als Erfolgsgeschichte finanzieller Inklusion erzählt. Doch die Realität wiederkehrender Überschuldungskrisen zeigt: Freiwillige Standards reichen nicht aus. Wenn ‚Do No Harm‘ ein ernst gemeinter Anspruch ist, darf er nicht bei freiwilligen Selbstverpflichtungen enden. Institutionelle Investoren sind keine passiven Geldgeber. Sie verfügen über erhebliche Einflussmöglichkeiten auf die Geschäftspraktiken von Mikrofinanzfonds und anderen Investmentanbietern. Wer sich zu menschenrechtlicher Sorgfalt verpflichtet, kann diese Hebel nutzen, um wirksame Maßnahmen gegen Überschuldung einzufordern.“ (DFPA/AZ)
Der Verein Facing Finance e.V. setzt sich für einen sozial und ökologisch verantwortlichen Umgang mit Geld ein.
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