Der irische Traditionsverein Bohemian FC will laut dem britischen Informationsportal Pioneer Post nicht nur auf dem Fußballplatz erfolgreich sein, sondern auch die Wirtschaft seiner Heimatstadt Dublin neu gestalten. Mit einer Strategie für „Community Wealth Building“ sollen bis 2050 rund 250 Millionen Euro in der Region gehalten und neue genossenschaftliche Unternehmen aufgebaut werden.
Der Fußballverein Bohemian FC will zu einem Motor für eine neue Form lokaler Wirtschaftsentwicklung werden. Der seit 1890 bestehende, mitgliedergeführte Klub aus dem Dubliner Stadtteil Phibsborough hat eine Strategie gestartet, die sich am Modell der spanischen Genossenschaftsgruppe Mondragón sowie Initiativen in Großbritannien orientiert. Ziel ist es, Vermögen und wirtschaftliche Kontrolle stärker in den Händen der lokalen Gemeinschaft zu halten.
Im Mittelpunkt steht das Konzept des „Community Wealth Building“. Dabei sollen große Organisationen als Anker für regionale Wertschöpfung dienen, indem sie lokale Anbieter stärken, genossenschaftliche Geschäftsmodelle fördern und Kapital in der Region halten. Bohemian FC will dazu eine neue Organisation namens „Bohemian Cooperatives“ aufbauen, die als Plattform für weitere Unternehmen dienen soll.
Geplant sind zunächst zwei konkrete Projekte: ein Lebensmittelunternehmen, das Schulen, Krankenhäuser und andere öffentliche Einrichtungen beliefern könnte, sowie eine Versicherungsgenossenschaft. Nach den Plänen des Klubs soll die Initiative langfristig dazu beitragen, bis 2050 rund 250 Millionen Euro in der Dubliner Wirtschaft zu binden.
Unterstützung erhält das Vorhaben von der Stadt Dublin und internationalen Befürwortern des Ansatzes. Joe Guinan, Präsident des US-amerikanischen Thinktanks Democracy Collaborative, bezeichnete die Strategie mit Genossenschaften als einen wichtigen Impuls für die Verbreitung des Modells in Irland.
Bohemian FC verbindet die wirtschaftliche Initiative mit seinem Engagement für Klima- und soziale Themen. Der Verein setzt sich unter anderem gegen Rassismus und für soziale Teilhabe ein. Diese politische Positionierung hat allerdings auch Kritik ausgelöst. Einige traditionelle Anhänger werfen dem Klub eine zu starke Politisierung vor.
Befürworter sehen darin dagegen eine konsequente Weiterentwicklung der Vereinsgeschichte. Der Klub war bereits seit seiner Gründung mitgliedergeführt und konnte seine wirtschaftliche Situation in den vergangenen Jahren deutlich verbessern. Die Mitgliederzahl stieg auf mehr als 3.000, 2025 erzielte der Verein nach eigenen Angaben einen Gewinn von rund 1,5 Millionen Euro.
Mit der neuen Strategie will Bohemian FC zeigen, dass Fußballvereine nicht nur Sportorganisationen, sondern auch gesellschaftliche und wirtschaftliche Akteure sein können. „Die Idee ist, die lokale Wirtschaft so gemeinschaftlich zu organisieren wie den Fußballverein selbst“, lautet die Vision der Initiatoren. (DFPA/abg)
Den vollständigen Beitrag finden Sie hier.