ESG-Kriterien gewinnen Einfluss auf Immobilienbewertungen
Nachhaltigkeitsmerkmale spielen bei der Bewertung von Immobilien und der Vergabe von Krediten eine immer größere Rolle. Nach Einschätzung von Nadine Roggendorf aus der Geeschäftsleitung der HypZert GmbH, beeinflussen Umwelt- und Klimarisiken, Energieeffizienz sowie soziale Faktoren zunehmend den Wert von Immobilien und damit auch die Risikobewertung von Finanzinstituten.
Nachhaltigkeitsaspekte entwickeln sich zu einem zentralen Faktor in der Immobilienbewertung. Darauf weist Nadine Roggendorf, Leiterin der Zertifizierungsstelle der HypZert GmbH, in einem Fachbeitrag für das Institut für Corporate Governance in der deutschen Immobilienwirtschaft e.V. (ICG) hin. Hintergrund seien steigende regulatorische Anforderungen an Banken, Nachhaltigkeitsrisiken systematisch zu erfassen und in ihre Risikosteuerung einzubeziehen.
Für Finanzinstitute sind Immobilienbewertungen von besonderer Bedeutung, da Immobilien als Sicherheiten für Kredite dienen. Bereits heute fließen Umwelt- und Klimarisiken sowie energetische Eigenschaften von Gebäuden in Markt- und Beleihungswertgutachten ein. Neben quantitativen Bewertungsfaktoren kommen zunehmend ESG-Scorings zum Einsatz, die unter anderem die langfristige Verkäuflichkeit und Nachhaltigkeit einer Immobilie beurteilen.
Nach Angaben Roggendorfs wirken sich Nachhaltigkeitskriterien auf zahlreiche wertrelevante Faktoren aus. Dazu zählen Bau- und Betriebskosten, Energieverbrauch, Modernisierungsaufwendungen sowie die Restnutzungsdauer von Gebäuden. Auch gesetzliche Vorgaben, etwa zur Aufteilung von CO₂-Kosten zwischen Mietern und Vermietern, beeinflussten die Wirtschaftlichkeit von Immobilien zunehmend.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Standardisierung von ESG-Analysen an Bedeutung. Die HypZert hat dafür ein eigenes ESG-Scoring entwickelt, das neben Klima- und Umweltrisiken auch energetische Merkmale sowie soziale Kriterien wie Barrierefreiheit, die Anbindung an Einrichtungen des täglichen Lebens und soziale Infrastruktur berücksichtigt. Das Verfahren soll nachhaltige Eigenschaften von Immobilien sichtbar machen, quantifizieren und vergleichbar darstellen.
Nach Einschätzung der Autorin ist die Integration von ESG-Kriterien damit längst mehr als eine regulatorische Pflicht. Transparente Bewertungsstandards und nachvollziehbare Nachhaltigkeitsanalysen würden zunehmend zu einem Bestandteil moderner Corporate Governance und einer verantwortungsvollen Unternehmensführung. (DFPA/abg)
Das Institut für Corporate Governance in der deutschen Immobilienwirtschaft e.V. (ICG) arbeitet seit seiner Gründung im Herbst 2002 daran, die Immobilienbranche in ihren Professionalisierungsanstrengungen zu unterstützen.