Gold habe schwierige Monate hinter sich. Seit dem Rekordstand im Januar hat das Edelmetall deutlich nachgegeben und notiert inzwischen spürbar unter seinem Jahreshoch. Steigende Energiepreise haben die Erwartung genährt, dass die Notenbanken die Geldpolitik länger straff halten müssen. Für eine Anlage, die weder Zinsen noch Dividenden abwirft, ist das Gegenwind, meint Andreas Pischetsrieder, Portfoliomanager bei der Augsburger Fürst Fugger Bank.
Interessant sei, wer in dieser Phase gekauft und wer verkauft hat: Aus Gold-ETFs flossen zuletzt netto Mittel ab. Die Zentralbanken dagegen haben ihre Bestände weiter aufgestockt – auf ein Rekordniveau. Und die große Mehrheit von ihnen will weiter zukaufen. Verkauf hier – Zukauf dort. Für Andreas Pischetsrieder liegt der Unterschied in der Motivation: „Eine Notenbank kauft Gold, weil sie ihre Währungsreserven breiter aufstellen und die Abhängigkeit von einzelnen Staatsanleihemärkten verringern will. Daran ändert sich nicht gleich etwas, wenn der Preis schwankt. Ein Anleger mit einem Gold-ETF im Depot reagiert hingegen anders – weil sein Ziel meistens ein anderes ist.“
Für Privatanleger stelle sich daher die Frage, welche Aufgabe Gold in ihrem Depot erfüllen solle. Wer Gold als Versicherung verstehe, akzeptiere bewusst, dass es in normalen Marktphasen nichts erwirtschaftet und zeitweise an Wert verliert. „Eine Versicherung bewertet man nicht danach, ob sie im vergangenen Jahr Rendite abgeworfen hat. Sie muss dann greifen, wenn andere Anlagen unter Druck geraten“, sagt Pischetsrieder.
Ein fallender Preis allein sei daher kein Grund, die Position aufzugeben – wohl aber ein Anlass zu prüfen, ob ihr Gewicht noch zum Gesamtportfolio passt. Wer Gold dagegen als Renditebaustein einsetze, müsse dieselben Maßstäbe anlegen wie bei jeder anderen Anlage: Es brauche eine Vorstellung davon, was den Preis treiben soll, und eine Regel für den Fall, dass diese Erwartung nicht eintritt.
Beide Ansätze seien legitim, so Pischetsrieder: „Problematisch wird es dort, wo die Rolle nie geklärt wurde – wenn also eine als Versicherung gedachte Position plötzlich an ihrer Rendite gemessen wird oder umgekehrt.“ Wer wisse, warum er etwas halte, müsse den Tagespreis nicht jede Woche neu bewerten. Das hätten die Notenbanken in diesem Jahr deutlich gezeigt. (DFPA/ljh)
Fürst Fugger Privatbank ist eine deutsche Privatbank mit Sitz in Augsburg. Sie auf Private Banking, Vermögensverwaltung, Anlageberatung sowie die Betreuung von vermögenden Privatkunden, Stiftungen und institutionellen Anlegern spezialisiert.