Offene Immobilienfonds: Milliarden Euro abgezogen
Viele offene Immobilienfonds werden an der Börse aktuell unter ihren offiziellen Rücknahmepreisen gehandelt. Das zeige eine Auswertung von 20 offenen Immobilienfonds des unabhängigen Geldratgebers „Finanztip“. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank zogen Anleger seit Januar 2025 per Saldo rund zehn Milliarden Euro aus offenen Immobilienfonds ab. Gleichzeitig zahlten Sparer rund 2,7 Milliarden Euro neu in die Fonds ein.
Im Durchschnitt liegt der Börsenpreis aktuell 18 Prozent unter dem von den Fondsgesellschaften festgelegten Rücknahmepreis. Der Rücknahmepreis ist der Preis, der sich aus der aktuellen Bewertung des Vermögens durch die Fondsgesellschaft ergibt. Anleger, die Anfang 2025 ihre Fondsanteile gekündigt haben, bekommen diesen Preis nun für die gekündigten Anteile ausgezahlt. Denn nach den Regeln der Fonds gibt es eine Kündigungsfrist von zwölf Monaten. Nach Fondsgröße gerechnet beträgt der Abschlag immer noch 10,4 Prozent. Vor einem Jahr hatte der durchschnittliche Abschlag noch bei zehn Prozent gelegen (gewichtet: 7,5 Prozent). „Die hohen Abschläge sind ein klares Misstrauensvotum der Börse“, sagt Timo Halbe, Geldanlage-Experte bei „Finanztip“.
Das Misstrauen habe direkte Auswirkungen: Insgesamt verwalten die untersuchten Fonds laut den Bewertungen der Fondsgesellschaften ein Vermögen von rund 96 Milliarden Euro. Auf Basis der aktuellen Börsenkurse liegt ihre Marktbewertung nach Berechnungen von „Finanztip“ knapp zehn Milliarden Euro darunter. 13 der 20 untersuchten Fonds weisen derzeit einen Abschlag von mehr als zehn Prozent auf. Den höchsten Abschlag verzeichnet der Fonds „Wertgrund Wohnselect“ mit rund 58 Prozent. Beim volumenstärksten Immobilienfonds, „Deka Immobilien Europa", beträgt der Abschlag an der Börse rund fünf Prozent.
„Einige Anleger haben anscheinend schon auf die aktuellen Entwicklungen reagiert. Gleichzeitig dürften sich andere der Risiken gar nicht bewusst sein. Sie zahlen weiter ein, zum Teil wohl über laufende Sparpläne”, so Halbe. Denn im selben Zeitraum flossen rund 2,7 Milliarden Euro neu in entsprechende Produkte. „Finanztip“ empfiehlt Anlegern in Deutschland, bestehende Investments in offenen Immobilienfonds kritisch zu prüfen, insbesondere, wenn das investierte Geld kurzfristig benötigt werden könnte. (DFPA/mb)
Die Finanztip Verbraucherinformation gemeinnützige GmbH ist ein Geld-Ratgeber mit Sitz in Berlin.