Streit um Definition der "Impact Economy“ in Großbritannien
Eine neue Definition der sogenannten „Impact Economy“ in Großbritannien sorgt für Diskussionen zwischen Denkfabriken, Genossenschaften und Vertretern der Sozialwirtschaft. Ein Bericht der britischen Organisation New Philanthropy Capital (NPC) beziffert den Beitrag der Impact Economy auf 428 Milliarden Pfund – rund 15 Prozent der Wirtschaftsleistung.
Der Bericht „Impact UK“ gilt als erste umfassende Kartierung des Sektors. Er definiert die Impact Economy als Ökosystem von Organisationen und Kapitalgebern, die öffentlichen Nutzen über private Gewinnmaximierung stellen. Unterschieden wird zwischen regulierten Organisationen – etwa Wohltätigkeitsorganisationen oder Community Interest Companies – und nicht regulierten, aber „wirkungsorientierten“ Unternehmen.
Vertreter von Genossenschaften zeigten sich überrascht, dass ihre Rechtsform allein nicht ausreicht, um als Teil der Impact Economy zu gelten. James Wright von Co-operatives UK sprach von einer „verpassten Chance“. Genossenschaften und mitarbeitergeführte Unternehmen seien per Definition auf gemeinschaftlichen Nutzen und demokratische Kontrolle ausgelegt. „Sie existieren nicht, um ausschüttungsfähige Gewinne zu maximieren, sondern um gegenseitigen Nutzen zu schaffen“, sagte Wright.
Brisant ist die Debatte auch vor dem Hintergrund politischer Initiativen. Ein Bericht der Social Impact Investment Advisory Group (SIIAG) hatte Genossenschaften ausdrücklich als Teil zweckorientierter Unternehmen genannt. In der Folge wurde das „Office for the Impact Economy“ geschaffen. Beobachter befürchten nun, dass eine enge Definition politischen Einfluss gewinnen könnte – etwa bei Förderprogrammen oder regulatorischen Fragen.
NPC kündigte an, einzelne Aspekte des Berichts zu überarbeiten und das Gespräch mit Branchenvertretern zu suchen. Ob die Definition angepasst wird, ist offen. Vertreter der Genossenschaften hoffen, dass künftige Fassungen breiter angelegt werden. Andernfalls bestehe das Risiko, dass ein Teil der sozial orientierten Wirtschaft im politischen Diskurs unberücksichtigt bleibe.
Deutschland steht an einem ähnlichen Punkt. Versicherungen, Versorgungswerke, Pensionskassen bauen Impact-Quoten auf. Gleichzeitig diskutieren Politik und Verbände über eine „Wirkungsökonomie“. Die britische Debatte zeigt, wo es strategisch heikel wird. (DFPA/abg)
New Philanthropy Capital (NPC) ist eine 2001 in London gegründete gemeinnützige Denkfabrik, die an der Schnittstelle von Philanthropie, Sozialwirtschaft, Impact Investing und öffentlicher Politik arbeitet. Die Organisation berät Stiftungen, Sozialunternehmen und Kapitalgeber strategisch, entwickelt Methoden zur Wirkungsmessung und erstellt Studien zur Struktur und Größe der sogenannten Impact Economy.