BaFin-Bankenaufseher Speer will Kreditrisiken, Cybersicherheit und Governance stärken

Nach 100 Tagen im Amt zieht Nikolas Speer, Exekutivdirektor Bankenaufsicht bei der Finanzaufsicht BaFin, eine erste Bilanz – und benennt klare Schwerpunkte: Kreditrisiken, Cybersicherheit, gute Unternehmensführung und eine Vereinfachung der Regulierung.

„Letztlich ist auch die Bankenaufsicht Risikomanagement. Nur eben nicht für ein einzelnes Institut, sondern für das ganze Finanzsystem“, sagte Speer in einem Gespräch, das die BaFin auf ihrer Internetseite ver5öffentlicht hat. Speer war zuvor selbst viele Jahre Risikomanager in der Bankbranche. Diese Erfahrung prägt seinen Ansatz: „Beim Risikomanagement geht es im Kern um den bewussten Umgang mit Unsicherheit. Ich bin überzeugt, dass man damit einen entscheidenden Unterschied machen kann – für die Institute, die Stabilität des Systems und das Vertrauen in die Finanzmärkte.“

Ein besonderer Fokus liege auf dem Kreditrisiko, so Speer weiter, denn dieses sei in deutschen Bankbilanzen weiterhin „wesentlich“. Daneben rücke die BaFin zunehmend sogenannte nicht-finanzielle Risiken in den Fokus – insbesondere Cyberrisiken. „Eine Materialisierung dieser Gefahren kann dem Finanzsystem erheblichen Schaden zufügen“, warnte Speer. Allein Kapitalregeln reichten zur Absicherung nicht aus.

Zudem will der neue Bankenaufseher das Regelwerk vereinfachen und stärker auf Proportionalität achten: „Für kleinere Institute mit überschaubarem Risiko brauchen wir nicht überall die gleichen, sehr detaillierten Anforderungen wie für große Banken.“ Bereits in Arbeit seien beispielsweise eine Überarbeitung der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) sowie eine Vereinfachung der Stresstests für kleine und mittlere Banken.

Als dritten Schwerpunkt nannte Speer die Governance – also die Art und Weise, wie Banken geführt und beaufsichtigt werden. „Schlechte Governance verursacht oft massive Probleme“, so der BaFin-Direktor. Viele Schwierigkeiten ließen sich auf Führungsversagen oder unzureichende Kontrolle zurückführen.

Für die weitere Arbeit setzt Speer auf eine „datenbasierte Aufsicht“ – unter anderem durch den verstärkten Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Außerdem kündigte er an, stärker in Führungsqualität und Talentförderung innerhalb der BaFin investieren zu wollen. „Zahlen, Berichte und Organigramme sind wichtig, aber sie zeigen nie das ganze Bild“, sagte Speer. Entscheidend sei der persönliche Austausch mit den Bankvorständen – als Dialog auf Augenhöhe. (DFPA/abg)

Das gesamte Interview finden Sie hier.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) mit Sitz in Bonn und Frankfurt ist die zentrale Aufsichtsbehörde für Banken, Versicherungen und den Wertpapierhandel in Deutschland. Sie steht unter der Rechts- und Fachaufsicht des Bundesfinanzministeriums und überwacht rund 1.300 Kreditinstitute.

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