Debatte um digitalen Euro: Verbraucherschützer warnen vor Abhängigkeit von US-Zahlungsanbietern
In der Diskussion um die Einführung eines digitalen Euro warnen Verbraucherschützer vor einer wachsenden Abhängigkeit Europas von US-Zahlungsdienstleistern. Die Bürgerbewegung Finanzwende kritisiert, dass Konzerne wie Visa, Mastercard oder PayPal bereits heute maßgeblich kontrollierten, wer am digitalen Zahlungsverkehr teilnehmen könne.
Anlass der Kritik ist unter anderem ein Fall aus dem Jahr 2025, bei dem Nicolas Guillou, Richter am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, nach Aufnahme auf eine US-Sanktionsliste von zentralen Zahlungsdiensten ausgeschlossen wurde. Dies zeige, wie stark politische Entscheidungen außerhalb Europas direkte Auswirkungen auf den Zugang zu Finanzdienstleistungen haben könnten.
Vor diesem Hintergrund fordern die Aktivisten den Aufbau einer staatlich organisierten Alternative. Ein digitaler Euro könne aus ihrer Sicht ein unabhängiges, gemeinwohlorientiertes Zahlungssystem schaffen, das demokratisch kontrolliert werde und zusätzliche Wahlmöglichkeiten biete. Bargeld solle dabei weiterhin erhalten bleiben.
Die Organisation sieht jedoch erheblichen Widerstand aus der Finanzbranche. Banken befürchteten Einnahmeverluste im Zahlungsverkehr sowie geringere Zinsgewinne aus Kundeneinlagen. Entsprechend werde versucht, die Ausgestaltung eines digitalen Euro zu begrenzen.
Nach Einschätzung von Finanzwende könnte ohne Reformen die Marktmacht weniger internationaler Konzerne weiter zunehmen. Dies betreffe nicht nur wirtschaftliche Aspekte, sondern auch Fragen der Souveränität und Kontrolle über Zahlungsströme.
Die Entscheidung über die konkrete Ausgestaltung des digitalen Euro wird derzeit auf europäischer Ebene beraten. Verbraucherschützer rufen dazu auf, die Debatte stärker an öffentlichen Interessen auszurichten. (DFPA/abg)
Finanzwende ist ein überparteilicher Verein mit über 15.000 Mitgliedern. Die Organisation wurde im Jahr 2018 anlässlich des zehnten Jahrestages der Lehman Brothers-Pleite gegründet. Finanzwende versteht sich als eine unabhängige Interessenvertretung von und für Bürger.