Sie sind keine leichte Feierabends- oder Urlaubslektüre, die Jahresberichte von Wirtschaftsunternehmen. Aber sie dokumentieren in Euro und Cent, ob und wie Unternehmen erfolgreich waren.
Für die Kapitalanlagebranche gilt: Zwar wurde im vergangenen Jahr 2025 in geschlossene Publikums-AIF deutlich weniger investiert als in den Vorjahren und es wurden weniger AIF neu aufgelegt. Dennoch belegt die aktuelle EXXECNEWS-Analyse (Stand: 02. September 2025) der bislang veröffentlichten Jahresberichte 2025 der Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGen), die alternative Investmentfonds (AIF) für private und institutionelle Investoren anbieten und verwalten, dass diese stabil auf einer festen wirtschaftlichen Grundlage stehen. EXXECNEWS stellt die Jahresberichte 2025 einzelner KVGen vor, die mit ihren Unterschieden exemplarisch für die Branche stehen.
„Provisionserträge“ sind bei Kapitalverwaltungsgesellschaften der wesentliche Umsatzträger – Gebühren und Vergütungen für die Verwaltung der Investmentvermögen. Dazu zählen insbesondere Managementgebühren, Verwaltungs- und Erfolgsvergütungen (Performance Fees) sowie Gebühren für weitere Dienstleistungen im Zusammenhang mit Fondsverwaltung und Vertrieb. Ihnen gegenüber stehen die „Provisionsaufwendungen“, vor allem Vergütungen für den Vertrieb der Kapitalanlagen.
Übrigens: Der etwas missverständliche Begriff „Provisionserträge“ kommt aus der bankrechtlichen Rechnungslegung, der „Kreditinstituts-Rechnungslegungsverordnung (RechKredV)“. Er meint nicht nur Provisionen im engeren Sinne, sondern steht allgemein als Sammelbegriff für dienstleistungsbezogene Erträge.
Hansainvest: Spitzenreiter bei Provisionserträgen
Mit rund 293,9 Millionen Euro an Provisionserträgen ist – gemessen an ihrer Höhe – die Hansainvest Hanseatische Investment GmbH, Hamburg, klarer Spitzenreiter. Sie erhöhten sich gegenüber 2024 von dem ohnehin schon hohen Niveau um 8,62 Prozent oder 23,3 Millionen Euro. Was beachtet werden muss: Bei 555 Investmentvermögen, ganz überwiegend Wertpapier-Investmentvermögen wie Aktienfonds, agiert Hansainvest in einer anderen Liga als solche KVGen, die vornehmlich Sachwertvermögen emittieren.
Trotz des Zuwachses bei den Provisionserträgen sank das operative Ergebnis von Hansainvest vor allem durch „sonstige betriebliche Aufwendungen“ (Zuweisung von rund 5,6 Millionen Euro in Rückstellungen zur Risikovorsorge) von rund 14,3 auf 13,2 Millionen Euro. Hansainvest betrachtet das Jahr 2025 als „ein insgesamt erfolgreiches Jahr“ und erwartet für 2026 einen Jahresüberschuss, der „voraussichtlich moderat über dem Niveau des Jahres 2025 liegen“ wird.
ILG: Stärkstes Wachstum bei Provisionserträgen
Die ILG Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH, München, konnte 2025 das prozentual stärkste Wachstum von Provisionserträgen der Branche verbuchen: Sie haben sich von 1,7 auf 4,3 Millionen mehr als verdoppelt. Der Großteil davon entfällt auf Einnahmen aus der Eigenkapitalvermittlung (knapp 3,7 Millionen Euro), denen jedoch hohe Provisionsaufwendungen (rund 2,0 Millionen Euro) und gestiegene Verwaltungsaufwendungen entgegenstehen.
Erzielt wurden die hohen Provisionserträge durch zwei Publikums-AIF mit Handels-immobilien, die ILG 2025 schließen konnte. Ein weiterer AIF ist bereits genehmigt, aber noch nicht im Vertrieb. Gerade auf diese Assetklasse Einzelhandelsimmobilien zielt „das anhaltende Interesse privater und institutioneller Anleger“, wie es im ILG-Jahresbericht heißt. Das belegen auch die hohen Einzelhandels-Platzierungen der Hahn-Gruppe aus Bergisch Gladbach: „Wir haben im vergangenen Jahr eine neue Bestmarke im Vertrieb von Publikums-AIF erreicht. Damit konnten wir das sehr gute Ergebnis aus dem Vorjahr nochmals deutlich steigern. Das Anlegerinteresse an unseren Produkten ist nachhaltig hoch“, sagt Paschalis Christodoulidis, Prokurist & Leiter Vertrieb Hahn AG.
Dr. Peters: Erschließung neuer Anlagefelder
Mit einem Zuwachs von 20,6 Prozent der Provisionserträge auf 2,4 Millionen Euro zählt auch die Dr. Peters Asset Finance GmbH & Co. KG, Dortmund, 2025 zu den wachstumsstärksten Unternehmen in diesem Bereich. Dazu beigetragen hatte nicht nur die Übernahme der Verwaltung weiterer Flugzeugfonds von Hannover Leasing, sondern auch die Erschließung von Anlageangeboten im Bereich der Erneuerbaren Energien und die Konzentration auf „6b-EStG-Angeboten“ im Immobilienbereich, „steueroptimierte Konzepte mit Sonderabschreibungsmöglichkeiten und erbschaftsteuerlicher Verschonung“, wie Sven Mückenheim, Vertriebsgeschäftsführer Dr. Peters Group, betont und er ergänzt: „Wir konnten 2025 trotz eines angespannten Marktumfelds unser Platzierungsergebnis aus dem vorvergangenen Jahr von rund 32 Millionen Euro bestätigen. Das werten wir als Erfolg.“
ZBI: Behauptet trotz vielen Wirbels
Trotz des Wirbels um den offenen Immobilienfonds „UniImmo: Wohnen ZBI“ konnte sich die ZBI Fondsmanagment GmbH, Erlangen, gut behaupten: Nach deutlichen Wertberichtigungen und einem Urteil über die unrichtige Risikoeinstufung musste dieser Fonds erhebliche Mittelabflüsse verkraften. Dennoch konnte ZBI Fondsmanagement die Provisionserträge um 14,33 Prozent auf rund 73,9 Millionen Euro steigern – um rund 10,1 Millionen Euro geringere Verwaltungsvergütungen wurden durch rund 19,5 Millionen Euro gestiegene Transaktionsvergütungen mehr als wettgemacht. „Trotz des Teilverzichts auf Transaktionsvergütungen konnten die Provisionserträge in diesem Bereich durch ein höheres Verkaufsvolumen deutlich gesteigert werden“, heißt es im ZBI-Jahresbericht 2025. Zusammen mit sonstigen Erträgen in Höhe von rund einer Million Euro, Einsparungen bei Personalkosten in Höhe von ebenfalls rund einer Million Euro und niedrigeren Provisionsaufwendungen in Höhe von rund vier Millionen Euro führte das zu einem um rund 16,0 Millionen gestiegenen Betriebsergebnis von 27,3 Millionen Euro.
Aquila: Mitten in der Restrukturierung
Mit 60,6 Millionen Euro an Provisionserträgen zählt auch Aquila Capital Investmentgesellschaft mbH, Hamburg, zur Spitzengruppe der KVGen. Allerdings brachen bei ihr die Provisionserträge 2025 um 27,3 Prozent oder rund 22,8 Millionen Euro ein – allein um rund 15,8 Millionen Euro bei den Einnahmen aus Monitoringdienstleistungen im Bereich ihres „Clean Energy“-Investmentbereichs. „Zur Stabilisierung der Investmentvermögen wurde ein umfassendes Restrukturierungskonzept mit dem wichtigsten involvierten Stakeholder erarbeitet, um den Werterhalt und die Rückzahlungsquote für die Investoren zu maximieren“, so der Jahresbericht der Aquila Capital 2025. Verbunden mit diesen reduzierten Provisionserträgen und durch das Restrukturierungskonzept veranlasste Rechts- und Beratungsaufwendungen, Wertberichtigungen auf Forderungen sowie Rückstellungen ergab sich ein für 2025 negatives Betriebsergebnis von rund 37,2 Millionen Euro. Seit Ende 2025 wird das Neugeschäft durch die Commerz Real Capital GmbH, die zentrale Vertriebseinheit der Commerz Real-Gruppe, sowie die Commerzbank AG im Privatkundenvertrieb unterstützt.
UniCredit (Ex-WealthCap): Strategische Repositionierung
Restrukturierungsmaßnahmen standen auch im Mittelpunkt des Geschäftsverlaufs der UniCredit Invest Alternatives GmbH (vormals: WealthCap Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH), Grünwald, die letztlich auch zur Umfirmierung führten. Mit 38,0 Millionen Euro blieben die Provisionserträge im Jahresvergleich nahezu unverändert. Reduzierte „sonstige betriebliche Aufwendungen“ resultierten im Rahmen der „strategische Repositionierung der Gruppe“ zu einem um rund 3,6 Millionen Euro verbesserten Betriebsergebnisses. 2026 wird von der Fokussierung auf der Neuausrichtung des Geschäftsmodells geprägt sein. Das spiegelt sich teilweise auch in den quantitativen Zielen wider, wo durch zahlreiche Verkäufe aus Fonds-immobilien die operativen Erträge gestärkt werden sollen.
IntReal: Führend als Service-KVG
Auch die im Sachwertbereich führende Service-KVG IntReal International Real Estate Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH, Hamburg, konnte auf hohem Niveau ihre Provisionserträge steigern. Sie liegen mit 79,7 Millionen Euro um drei Prozent höher als im Vorjahr. Das Betriebsergebnis fiel um 1,7 Millionen Euro niedriger aus als im Vorjahr, war aber erwartet worden. Für 2026 sieht IntReal „die Möglichkeit, die Marktführerschaft in ihrem Bereich weiter auszubauen. Die anhaltende Nachfrage nach administrativen Dienstleistungen sowie die strukturellen Entwicklungen im Markt – insbesondere bei kleineren und mittleren KVGs – bieten zusätzliche Wachstumsperspektiven.“
Jamestown: Fokus steht auf Europa
„Bezogen auf das Platzierungsvolumen ist die Gesellschaft seit vielen Jahren Marktführer in Deutschland im Segment von US-Immobilienfonds für Privatanleger.“ So heißt es im Jahresbericht der Jamestown US-Immobilien GmbH, Köln. 2025 lagen aber ihre Provisionserträge mit knapp 7,5 Millionen um 16,7 Prozent niedriger als im Vorjahr – im Wesentlichen ausschließlich aus Dienstleistungsvergütungen für die bestehenden Fonds.
Jamestown hatte mit der Auflage von US-Immobilienfonds pausiert und dafür einen Europa-Immobilienfonds in den Vertrieb gebracht. Allerdings fand der Vertriebsstart des Fonds „Jamestown Europa“ später statt als ursprünglich angenommen. „Daraus resultierten eine geringere Eigenkapitalplatzierung und damit verbunden geringere Provisionserträge als prognostiziert.“ So der Jahresbericht 2025. Entsprechend ergab das „Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit“ ein Minus von 0,4 statt einem Plus von 1,1 Millionen Euro wie im Vorjahr. „Wir konzentrieren uns vorerst auf den Europafonds und rechnen, damit insgesamt 25 bis 250 Millionen zu platzieren“, sagte Jamestown-Geschäftsführer Fabian Spindler zu Beginn dieses Jahres zu EXXECNEWS. Damit würde Jamestown auch wieder einen operativen Profit erzielen.
Alpha Ordinatum: Stabiles Ergebnis trotz weniger Provisionsertrag
Um 19,7 Prozent gingen die Provisionserträge bei der Alpha Ordinatum GmbH, Mannheim, von 16,5 auf 13,3 Millionen zurück – „was insbesondere in der langsameren und niedrigeren Eigenkapital-Einwerbung begründet lag“, so der Jahresbericht 2025. Das „Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit“ von Alpha Ordinatum konnte dennoch mit 4,4 Millionen Euro (Vorjahr: 4,7 Millionen Euro) in etwa gehalten werden, was durch deutlich um rund 3,5 Millionen reduzierte „andere Verwaltungsaufwendungen“ ermöglicht wurde. Gordon Grundler, Alpha-Geschäftsführer und Vorstand der Muttergesellschaft Primus Valor AG, sagte Anfang dieses Jahres im Jahresrückblick zu EXXECNEWS: „Für 2025 blicken wir bei Primus Valor auf ein starkes Platzierungsjahr zurück, das trotz herausfordernder Marktbedingungen überzeugend verlief.“
derigo: Großbatterien, „energy storage“ im Fokus
Bei der derigo GmbH & Co., München, der Kapitalverwaltungsgesellschaft der BVT-Unternehmensgruppe, sanken die Provisionserträge um neun Prozent auf knapp 11,0 Millionen Euro. Allerding liege das Provisionsergebnis mit rund 6,1 Millionen nur um 2,7 Prozent unter dem Vorjahresergebnis, da die Provisionsaufwendungen um 15,9 Prozent zurückgegangen wären. „Dies ist im Wesentlichen auf die Verschiebung der Vergütungen aus dem Verkauf der Residential Projekte auf das Jahr 2026 zurückzuführen.“ So der Jahresbericht 2025.
Die verschobenen Objektverkäufe wirkten sich auch auf das „Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit“ aus, das mit 0,7 Millionen Euro deutlich unter dem des Vorjahres mit 2,1 Millionen Euro lag. Für 2026 plant derigo mit einem Betriebsergebnis (EBIT) in Höhe von 4,7 Millionen Euro sowie einem Provisionsergebnis in Höhe von 10,2 Millionen Euro. „Unser Fokus liegt 2026 auf unseren langjährigen Kompetenzbereichen Immobilien USA und Energie/Infrastruktur“, sagte Jens Freudenberg, Geschäftsführer der BVT-Unternehmensgruppe: „Im Bereich Energie und Infrastruktur rückt neben den klassischen Investitionen in Wind- und Solarparks die Energiespeicherung, insbesondere mit Großbatteriespeichern, zunehmend in den Fokus.“
LHI: Ergebnis auf dem Punkt im Plan
Nach Verschmelzung mit ihrer Schwestergesellschaft, der LHI Capital Management GmbH, wird das Investmentgeschäft (inklusive der damit verbundenen Vertriebs- und Anlegerbetreuungsdienstleistungen) einheitlich durch die LHI Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH, Pullach i. Isartal, erbracht. „Im Bereich der klassischen Kapitalanlageprodukte ist die LHI Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH weiterhin in den Assetklassen Immobilien und Erneuerbare Energien aktiv. Sie blickt auf ein insgesamt zufriedenstellendes Geschäftsjahr zurück.“ So der Jahresbericht 2025.
Die Provisionserträge stiegen um 3,23 Prozent von 16,2 auf 16,7 Millionen Euro – gemessen an zusammengefassten Zahlen der übernehmenden und übernommenen Gesellschaft. Für die übernehmende Gesellschaft (LHI Kapitalverwaltungsgesellschaft) allein entspreche der Zuwachs 13,6 Prozent. Für das Jahr der Verschmelzung hat die LHI Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH mit einem niedrigen positiven Ergebnis geplant. Das Ergebnis liegt mit rund 0,2 Millionen Euro fast im Plan (0,3 Millionen Euro). Für 2026 plant die LHI Kapitalverwaltungsgesellschaft trotz konjunktureller Herausforderungen ein Ergebnis mit 1,8 Millionen Euro innerhalb eines strategischen Zielkorridors von 1,5 bis 2,5 Millionen Euro.
Fazit der EXXECNEWS-Analyse:
Im Februar dieses Jahres hatte das Analysehaus Scope die Angebots- und Platzierungszahlen 2025 geschlossener Publikums-AIF veröffentlicht und einen drastischen Platzierungsrückgang um 134 Millionen Euro auf 438 Millionen Euro verkündet. Das wurde bereits als der Abgesang auf eine Branche interpretiert – ein Fehlschluss.
Die sie tragenden Kapitalverwaltungsgesellschaften stehen solide: Der Maschinenraum der Branche der Geschlossenen Fonds ist intakt
Ein reduziertes Neugeschäft bei Publikums-AIF in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheiten ist für sich nicht sonderlich überraschend und lässt die wirtschaftliche Bedeutung der Verwaltung bereits in Publikums- und Spezialfonds Kapitals investierten Kapitals außer Acht. Ebenso wie die Erschließung neuer Geschäftsfelder wie der der European Long Term Investment Funds (ELTIFs). Munich Private Equity Funds AG und HMW Emissionshaus AG haben durch die Auflage von ELTIFs bereits gezeigt, dass es private Kapitalanlage auch jenseits geschlossener Publikums-AIF gibt. Und die UniCredit Invest Alternatives GmbH (ex: WealthCap) „plant, als Teil der neuen Geschäftsstrategie, sowohl ELTIFs vollumfänglich von Deutschland aus zu verwalten als auch deutsche ELTIFs aufzulegen und zu verwalten.“ So steht’s ausdrücklich in ihrem Jahresbericht 2025. (LJH)

Der Beitrag ist zuerst in EXXECNEWS Ausgabe 19 erschienen.
